Zwischenkonten in Odoo richtig nutzen
Kurz gesagt
Zwischenkonten sind in Odoo 20.0 Übergangskonten für Beträge, deren Gegenbuchung noch nicht feststeht: das Bankzwischenkonto für nicht abgestimmte Banktransaktionen, die Konten für ausstehende Eingänge und Zahlungen für registrierte Zahlungen und das interne Überweisungskonto für Geld zwischen eigenen Konten; die Lager-Zwischenkonten verwendet Odoo seit Version 19 nicht mehr. Ob überhaupt gebucht wird, hängt von der Einrichtung ab: Bleibt das Konto für ausstehende Eingänge oder Zahlungen leer, erzeugt eine registrierte Zahlung keine Journalbuchung, und ist das Hauptbankkonto als ausstehendes Konto eingetragen, steht die Zahlung sofort auf dem Bankkonto. Die App Buchhaltung führt der Editionsvergleich nur in Enterprise, die App Lager in beiden Editionen.
Das Wichtigste
- Der Saldo des Bankzwischenkontos im Hauptbuch zeigt den Saldo der noch nicht abgestimmten Transaktionen, also einen Betrag und nicht die Zahl der offenen Fälle; gegenläufige offene Beträge heben sich darin auf.
- Ohne Konto für ausstehende Eingänge oder Zahlungen erzeugt eine in Odoo registrierte Zahlung keine Journalbuchung; der offene Betrag an der Rechnung bleibt stehen.
- Das interne Überweisungskonto (Funds in Transit) trägt Geld zwischen eigenen Bank- und Kassenkonten; Odoo legt es je Lokalisierung automatisch an, Name und Code weichen je Lokalisierung ab.
- Interne Überweisungen stimmen Sie in zwei Schritten ab: eine der beiden Transaktionen mit dem Abstimmungsmodell Interne Überweisungen, die andere mit der Buchungszeile der ersten.
- Seit Odoo 19 verwendet Odoo die Lager-Eingangs- und -Ausgangskonten nicht mehr; ein offener Saldo gehört per Journalbuchung auf das Bestandsbewertungskonto.
- Der Editionsvergleich nennt die App Buchhaltung nur in der Spalte Enterprise, Invoicing und Lager in beiden Spalten.
Übergangskonten in Odoo nehmen einen Betrag auf, bis die Gegenbuchung feststeht: Eine nicht abgestimmte Banktransaktion steht auf dem Bankzwischenkonto des Journals, eine registrierte Zahlung auf dem Konto für ausstehende Eingänge oder Zahlungen, Geld zwischen eigenen Konten auf dem internen Überweisungskonto. Ob überhaupt gebucht wird, hängt von der Einrichtung ab: Bleibt das Konto für ausstehende Eingänge oder Zahlungen leer, erzeugt eine registrierte Zahlung keine Journalbuchung; ist dort das Hauptbankkonto eingetragen, steht die Zahlung sofort auf dem Bankkonto statt auf einem eigenen Übergangskonto. Diese Konten sind dafür gedacht, offen zu stehen – gefährlich sind zwei Zustände: ein Feld, das leer bleibt, obwohl eine Zahlung eine Buchung braucht, und ein Saldo, den am Abschluss niemand mehr erklären kann.
Wofür Odoo diese Konten führt
Ein Zwischenkonto nimmt einen Betrag auf, solange die Gegenbuchung nicht feststeht. Für die Konten für ausstehende Eingänge und Zahlungen nennt die Dokumentation 20.0 die Typen Umlaufvermögen (Current Assets) und Kurzfristige Verbindlichkeiten (Current Liabilities); es sind keine Aufwands- oder Ertragskonten. Beim Bankzwischenkonto beschreibt dieselbe Dokumentation, dass eine Transaktion dort gebucht bleibt, bis sie abgestimmt ist – danach ersetzt Odoo das Zwischenkonto durch das Konto, mit dem abgestimmt wurde.
Drei Bezeichnungen werden leicht verwechselt. Das Feld am Bank-, Kassen- oder Kreditkartenjournal heißt Zwischenkonto (Suspense Account); das Konto, das Odoo dafür anlegt, Bankzwischenkonto (Bank Suspense Account); die Vorbelegung für neue Journale steht als Journal-Zwischenkonto (Journal Suspense Account) in den Buchhaltungseinstellungen. Die Dokumentation 20.0 führt das Zwischenkonto als gemeinsames Merkmal der Journalarten Bank, Kasse und Kreditkarte; die deutschen Feldnamen und der Ort der Vorbelegung in den Buchhaltungseinstellungen sind im öffentlichen Community-Zweig 20.0 belegt (Übersetzungsdatei de.po und Ansicht der Buchhaltungseinstellungen des Moduls account).
Die Hilfskonten kommen aus dem Kontenplan, den Odoo je Lokalisierung anlegt. Nach der Dokumentation 20.0 erstellt Odoo das interne Überweisungskonto automatisch, abhängig von der Lokalisierung des Unternehmens und der Gesetzgebung des Landes, und Name und Code des Kontos weichen je Lokalisierung ab. Im öffentlichen Community-Zweig 20.0 legt das Modul account vier Hilfskonten mit dem Kontenplan an: Bank Suspense Account, Outstanding Receipts, Outstanding Payments und Funds in Transit, deutsch Bankzwischenkonto, Ausstehende Eingänge, Ausstehende Zahlungen und Transitmittel.
Diese Konten führen das Zwischenergebnis
Die Übersicht nennt zu jedem Konto den englischen Namen aus der Dokumentation, den Ort, an dem Odoo es erwartet, und – soweit das Konto sich überhaupt zurückführt – die Bedingung, unter der es wieder leer ist.
| Zwischenkonto | Eingestellt in | Darauf gebucht wird | Leer, wenn |
|---|---|---|---|
| Bankzwischenkonto (Bank Suspense Account) | Feld Zwischenkonto im Bank-, Kassen- oder Kreditkartenjournal; Vorbelegung aus den Buchhaltungseinstellungen | jede Transaktion im Bank-, Kassen- oder Kreditkartenjournal, die noch nicht abgestimmt ist | die Transaktion abgestimmt oder ausgebucht ist; das Konto der Buchungszeile ersetzt dann das Zwischenkonto |
| Konten für ausstehende Eingänge und Zahlungen (Outstanding Receipts accounts, Outstanding Payments accounts) | Buchhaltung ‣ Konfiguration ‣ Journale, Bank- oder Kassenjournal, Reiter Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge, je Zahlungsmethode | registrierte Kunden- und Lieferantenzahlungen bis zur Zuordnung der Banktransaktion | die Zahlung mit der Banktransaktion verknüpft ist; ohne Eintrag entsteht für die Zahlung keine Journalbuchung |
| Internes Überweisungskonto (Funds in Transit, Transitmittel) | Buchhaltung ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen, Abschnitt Standardkonten, Firmenfeld Konto für Überweisungen zwischen Banken | Geld, das zwischen eigenen Bank- und Kassenkonten unterwegs ist | eine der beiden Transaktionen mit dem Abstimmungsmodell Interne Überweisungen abgestimmt und die andere mit der Buchungszeile der ersten verknüpft ist |
| Zwischenkonto der Zahlungsmethode im Kassensystem (Intermediary Account) | Zahlungsmethode im Kassensystem, Feld Zwischenkonto | Zahlungen dieser Methode, gesammelt in einem eigenen Forderungskonto | nicht zutreffend: kein Übergangskonto, sondern ein Forderungskonto für diese Abwicklung; leer nutzt Odoo das Standard-Forderungskonto |
| Lager-Zwischenkonten (Stock Interim accounts, stock input/output accounts) | Kontenplan; in Versionen bis 18 von Odoo für Wareneingang und Warenausgang geführt | Zugänge und Abgänge, deren Rechnung noch fehlt | seit Odoo 19 nicht mehr verwendet; ein offener Saldo gehört per Journalbuchung auf das Bestandsbewertungskonto |
| Variationskonto (Variation account, im deutschsprachigen Spickzettel Abweichung) | Buchhaltung ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen, Abschnitt Bestandsbewertung | Bestandsveränderungen der Periode | im fortlaufenden angelsächsischen Modell erst, wenn die Abgrenzungsbuchungen (Accrual Entries) den Pufferbetrag auf Konten wie Zu erhaltende Rechnungen (WENA) oder Herstellkosten des Umsatzes verteilt haben; im kontinentalen periodischen Modell führt die Dokumentation es dagegen als Aufwandskonto der Lokalisierung, das die Bestandsveränderungen des Abschlusses aufnimmt. Die Abschlussbuchung (Stock Closing Entry) allein stellt keinen Nullsaldo her: Sie aktualisiert Bestandsbewertungs- und Variationskonto und überträgt im Upgrade-Ablauf den Betrag gerade auf das Variationskonto |
So sehen die Buchungen aus
Beispielrechnung mit erfundenen Beträgen, ohne Umsatzsteuer. Eine Banktransaktion entsteht zuerst gegen das Bankzwischenkonto und wird beim Zuordnen auf das Konto für ausstehende Eingänge oder direkt auf die Rechnung umgebucht.
| Vorgang | Buchung | Saldo des Zwischenkontos |
|---|---|---|
| Kundenrechnung 1.000,00 Euro | Soll Forderungen 1.000,00 Euro, Haben Erlöse 1.000,00 Euro | Bankzwischenkonto unberührt |
| Zahlung registrieren, ausstehendes Konto hinterlegt | Soll Ausstehende Eingänge 1.000,00 Euro, Haben Forderungen 1.000,00 Euro | 1.000,00 Euro |
| Dieselbe Zahlung ohne ausstehendes Konto | keine Journalbuchung | unverändert null |
| Bankeingang 1.000,00 Euro der Zahlung zuordnen | Soll Bank 1.000,00 Euro, Haben Ausstehende Eingänge 1.000,00 Euro | wieder null |
| Unbekannte Banktransaktion −80,00 Euro | Haben Bank 80,00 Euro, Soll Bankzwischenkonto 80,00 Euro | 80,00 Euro |
| Transaktion auf Bankgebühren ausbuchen | Soll Bankgebühren 80,00 Euro, Haben Bankzwischenkonto 80,00 Euro | wieder null |
| Interne Überweisung 1.000,00 Euro, Journal Bank A | Haben Bank A 1.000,00 Euro, Soll Überweisungskonto 1.000,00 Euro | 1.000,00 Euro |
| Dieselbe Überweisung, Journal Bank B | Soll Bank B 1.000,00 Euro, Haben Überweisungskonto 1.000,00 Euro | wieder null |
Ohne Konto für ausstehende Eingänge oder Zahlungen entfallen die Buchungen der zweiten und der vierten Zeile; die Banktransaktion wird dann direkt mit der Rechnung abgestimmt. Eine Zahlung ohne Bezug zu einer Rechnung sollten Sie ohne ausstehendes Konto nicht registrieren, weil sie sich keiner Buchung zuordnen lässt. Wie das Zuordnen im Einzelnen läuft, beschreibt Bankabstimmung in Odoo; die Ansicht Bankabgleich führt der Editionsvergleich nur in der Enterprise-Spalte.
Warum Odoo die Lager-Zwischenkonten nicht mehr nutzt
Die Lager-Zwischenkonten haben ihre Aufgabe verloren. Die Dokumentation 20.0 schreibt, dass Odoo die Konten für Wareneingang und Warenausgang (stock input/output accounts) seit Version 19 nicht mehr verwendet und dass ein offener Saldo über eine Journalbuchung auf das Bestandsbewertungskonto gehört. Für jede Firma gibt es dafür eine Aktion: Einstellungen-App ‣ Benutzer & Unternehmen ‣ Unternehmen öffnen, über das Zahnrad Stock Valuation rebalance interim Accounts wählen, die vorgeschlagene Journalbuchung prüfen und buchen. Danach erzeugen Sie unter Buchhaltung ‣ Prüfung ‣ Bestandsbewertung die Abschlussbuchung; welche Konten die Bewegungen dabei berühren, steht in Lagerbuchungen und Konten. Die Differenz landet auf dem Variationskonto, das die Dokumentation als neue Art Zwischenkonto und als Puffer bis zu den Abgrenzungsbuchungen führt; die Abgrenzungsbuchungen verteilen den Pufferbetrag im fortlaufenden angelsächsischen Modell auf die passenden Konten. Die Abschlussbuchung selbst stellt keinen Nullsaldo des Variationskontos her: Sie aktualisiert Bestandsbewertungs- und Variationskonto und überträgt in diesem Ablauf den erhöhten Wert des Bewertungskontos gerade auf das Variationskonto.
Typische Fehler
- Ausstehendes Konto leer gelassen: Die Zahlung erzeugt keine Journalbuchung, der offene Betrag an der Rechnung bleibt stehen, und eine Zahlung ohne Rechnungsbezug lässt sich später nicht zuordnen.
- Alles auf das Bankzwischenkonto ausgebucht: Bankgebühren und fremde Abbuchungen dort abzuschreiben lässt einen Saldo entstehen, den Sie nicht mehr nach einzelnen Vorgängen erklären können. Dafür ist die Aktion Konto festlegen mit einem Aufwands- oder Ertragskonto gedacht.
- Hauptbankkonto als ausstehendes Konto eingetragen: Dann entsteht keine Zwischenbuchung auf einem eigenen Konto, sondern die Zahlung steht sofort auf dem Bankkonto. Das kann gewollt sein – prüfen Sie, ob Sie die noch nicht zugeordneten Zahlungen weiter sehen wollen.
- Kontotyp nicht geprüft: Die Dokumentation nennt für die Konten für ausstehende Eingänge und Zahlungen die Typen Umlaufvermögen und Kurzfristige Verbindlichkeiten; ein Aufwandskonto an dieser Stelle führt die Zahlung sofort als Aufwand.
- Lager-Zwischenkonten nach dem Upgrade weitergeführt: Der Saldo bleibt stehen, und die Bestandsbewertung in der Buchhaltung passt nicht mehr zum Lagerwert.
- Zahlungen des Online-Zahlungsverkehrs mit den Bankzahlungen gemischt: Die Dokumentation nennt für Zahlungsanbieter ein eigenes ausstehendes Konto, damit deren Zahlungen getrennt bleiben, und verweist für die Wahl auf die Buchhaltung.
So gehen Sie vor
- Prüfen Sie je Journal die hinterlegten Konten: Buchhaltung ‣ Konfiguration ‣ Journale, Bank- oder Kassenjournal, Feld Zwischenkonto und die Reiter Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge. Jede Zahlungsmethode, die Journalbuchungen erzeugen soll, braucht ein Konto für ausstehende Eingänge oder Zahlungen; wo keine Buchung gewollt ist, bleibt das Feld leer.
- Prüfen Sie die Vorbelegung unter Buchhaltung ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen im Abschnitt Standardkonten, Zeilen Journal-Zwischenkonto und Konto für Überweisungen zwischen Banken; die Dokumentation nennt den zweiten Wert Standardkonto Interne Überweisung. Prüfen Sie vorher, ob Ihr Benutzer Buchhaltungseinstellungen ändern darf.
- Sehen Sie im Kontenplan nach, welches Konto Odoo tatsächlich angelegt hat, und prüfen Sie Name und Typ; den Aufbau der Kontenrahmen beschreibt Kontenrahmen SKR03 und SKR04. Für das interne Überweisungskonto nennt die Dokumentation 20.0 nur, dass es je Lokalisierung automatisch entsteht und dass Name und Code abweichen. Im öffentlichen Community-Zweig 20.0 setzen die Lokalisierungsvorlagen dafür ein Präfix: Deutschland SKR03 1360 und SKR04 1460, Österreich 288, Schweiz 1090; welcher Code daraus entsteht, hängt von den freien Codes ab. Für Verrechnungen führt die SKR03-Vorlage desselben Zweigs die Konten 1792 Sonstige Verrechnungskonten (Interimskonten) und 1590 Durchlaufende Posten (Items in transit), die SKR04-Vorlage das Konto 3630, die österreichische Vorlage das Konto 2880 Schwebende Geldbewegungen (Money in transit).
- Buchen Sie interne Überweisungen mit dem Abstimmungsmodell Interne Überweisungen statt direkt auf das Überweisungskonto; fehlt das Modell, legt die Dokumentation es mit dem Reiter Gegenbuchungen, der Betragsart Prozentsatz des Saldos und dem Betrag 100 an.
- Sehen Sie zum Abschluss die Salden dieser Konten an und erklären Sie jede Position. Eine offene Position gehört in eine Journalbuchung mit passendem Gegenkonto, nicht in eine neue Position auf demselben Zwischenkonto.
- Räumen Sie die Lager-Zwischenkonten nach dem Upgrade auf: Aktion je Unternehmen, Abschlussbuchung, danach der Vergleich von Bestandsbewertung und Lagerwert unter Buchhaltung ‣ Prüfung ‣ Bestandsbewertung in den Abschnitten Initial Balance, Stock Variation und Ending Stock.