Lagerbewertung in Odoo: Standard, Durchschnitt, FIFO
Kurz gesagt
In Odoo 20 steht die Methode je Produktkategorie: Standardpreis, Durchschnittskosten (AVCO) oder FIFO. In Deutschland erlaubt das HGB den gewogenen Durchschnitt (§ 240 Abs. 4) und, soweit es den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht, die Unterstellung von Fifo oder Lifo (§ 256 Satz 1); § 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG nennt für gleichartige Vorräte steuerlich allein die Lifo-Unterstellung, soweit sie den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht. Konten setzen die App Buchhaltung voraus (laut Editionsseite Enterprise).
Das Wichtigste
- Die Methode steht je Produktkategorie im Feld Kalkulationsverfahren (englisch Costing Method), nicht je Lagerort und nicht je Produkt.
- Standardpreis rechnet jeden Zugang mit dem festen Preis; Durchschnittskosten rechnen den Stückwert nach jedem Zugang neu, FIFO entnimmt beim Abgang die älteste Schicht.
- Die App Lager bewertet in Echtzeit jede erledigte Bewegung, die Ware in den Bestand hinein oder aus ihm heraus bringt; die App Buchhaltung zieht bei Periodisch erst im Abschluss nach, bei Fortlaufend mit der Rechnung.
- Bewegungen zwischen internen Lagerorten ändern Stückwert und Gesamtwert nicht; Bestandskorrekturen und Bewertungsanpassungen tun es sehr wohl.
- Lifo bietet Odoo als Entnahmestrategie, nicht als Bewertungsmethode; die Dokumentation verweist darauf, dass Lifo nach IFRS nicht zulässig ist.
- Grundlagen: § 240 Abs. 4 und § 256 Satz 1 HGB, steuerlich § 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG; § 209 Abs. 2 UGB; Art. 960a bis 960c OR.
In Odoo stehen Lagermenge und Buchwert nebeneinander. Welchen Wert die Bücher sehen, entscheidet das Kalkulationsverfahren je Produktkategorie; derselbe Warenfluss ergibt je nach Methode einen anderen Bestandswert und einen anderen Wareneinsatz.
Was die Methode festlegt
Odoo trennt zwei Fragen. Das Kalkulationsverfahren (Costing Method) bestimmt den Wert eines Zu- oder Abgangs; der Bewertungszeitpunkt bestimmt, wann die App Buchhaltung ihn übernimmt. Beide Einstellungen liegen laut Dokumentation 20.0 im Abschnitt Lagerbewertung (Inventory Valuation) unter Buchhaltung > Konfiguration > Einstellungen.
Die App Lager bewertet laufend: Jede erledigte Bewegung, die Ware in den Bestand hinein oder aus ihm heraus bringt, verändert Menge und Wert sofort, unabhängig davon, ob dazu schon eine Buchung existiert. Wie die Lager-App aufgebaut ist, steht im Überblick zur Lager-App.
Nach der Dokumentation ändern nur erledigte Vorgänge die Bewertung, die Ware in den Bestand hinein oder aus ihm heraus bewegen: Wareneingänge, Fertigerzeugnisse aus der Fertigung, Kundenrücklieferungen, Lieferungen, Verbrauch von Komponenten, Rücklieferungen an Lieferanten und Ausschuss. Ein interner Transfer zwischen zwei Regalen ändert Stückwert und Gesamtwert nicht. Auch ohne Warenbewegung kann sich der Wert ändern: Eine manuelle Änderung der Produktkosten ändert den Wert um die Differenz zwischen altem und neuem Kostensatz mal Bestandsmenge; eine Bestandskorrektur aus der Inventur und die Aktion Bewertung anpassen ändern den Wert ohne Lagerbuchung.
Nicht jedes Produkt hat eine Lagerbewertung: Bestände führt Odoo laut Dokumentation für Waren mit aktivierter Bestandsverfolgung, und Dienstleistungen sind in der App Lager nicht verfolgbar. Für sie stellt sich die Wahl der Methode nicht.
Dieselben Bewegungen, drei Methoden
Die Beispielrechnung ist erfunden und rechnet ein Produkt ohne Inventurdifferenz.
| Bewegung | Menge (Stück) | Preis je Stück |
|---|---|---|
| Zugang 1 | 100 | 5,00 € |
| Zugang 2 | 60 | 7,50 € |
| Abgang | 120 | entfällt |
| Zugang 3 | 40 | 6,00 € |
Dieselben vier Bewegungen, mit den drei Methoden gerechnet:
| Größe | Standardpreis (5,00 €) | Durchschnittskosten | FIFO |
|---|---|---|---|
| Wert des Abgangs, 120 Stück | 600,00 € | 712,50 € | 650,00 € |
| Stückwert nach dem Abgang | 5,00 € | 5,94 € | 7,50 € |
| Bestand nach Zugang 3, 80 Stück | 400,00 € | 477,50 € | 540,00 € |
Standardpreis: Alle drei Zugänge werden mit 5,00 Euro gerechnet, auch die 60 Stück zu 7,50 Euro und die 40 Stück zu 6,00 Euro. Der Abgang entnimmt 600,00 Euro, der Schlussbestand ist 80 × 5,00 = 400,00 Euro. Die Einkaufspreise liegen zusammen 190,00 Euro darüber; dieser Betrag bleibt außerhalb des Lagerwerts. Für Fortlaufend (bei Rechnung) mit Standardpreis nennt die Dokumentation dafür ein Preisdifferenzkonto in der Produktkategorie, das die Differenz zwischen Standardpreis und tatsächlich berechnetem Preis aufnimmt.
Durchschnittskosten: Nach Zugang 1 liegt der Stückwert bei 5,00 Euro. Nach Zugang 2 sind es (500,00 + 450,00) ÷ 160 = 5,9375 Euro, gerundet 5,94 Euro. Der Abgang entnimmt 712,50 Euro, es bleiben 237,50 Euro für 40 Stück. Mit Zugang 3 steigt der Wert auf 477,50 Euro für 80 Stück, gerundet 5,97 Euro je Stück.
FIFO: Der Abgang trifft zuerst die älteste Schicht: 100 × 5,00 + 20 × 7,50 = 650,00 Euro. Im Bestand bleiben 40 Stück zu 7,50 Euro (300,00 Euro); nach Zugang 3 sind es 540,00 Euro. Die angezeigten Einzelkosten sind in FIFO der Durchschnitt des Restwerts.
Der Wareneinsatz unterscheidet sich damit um 112,50 Euro zwischen Standardpreis und Durchschnittskosten; der Endbestand liegt bei FIFO mit 540,00 Euro um 140,00 Euro über dem Standardpreis-Bestand. Erfassen Sie die Ist-Menge über eine Inventur in Odoo, kommt eine Korrekturbuchung hinzu, die hier nicht enthalten ist.
Wann welche Methode passt
Redaktionelle Einschätzung, keine Rechts- oder Steuerberatung:
- Der Standardpreis passt, wenn Sie den Kostenwert je Stück selbst pflegen und Einkaufspreisschwankungen die Marge nicht im Lagerwert verzerren sollen, etwa bei kalkulierten Herstellkosten.
- Durchschnittskosten passen bei gleichartigen Waren mit schwankenden Einstandspreisen, weil jeder Zugang den Stückwert nur anteilig verschiebt.
- FIFO passt, wenn Sie die Reihenfolge des Verbrauchs nachvollziehen wollen; der Abgangswert folgt dann den älteren Einkaufspreisen.
In allen drei Fällen gehört die Entscheidung mit ihren Folgen für Handels- und Steuerbilanz in die Abstimmung mit der Buchhaltung, nicht allein in die Lagerkonfiguration.
Wie die Methode auf die Buchhaltung wirkt
Im Abschnitt Lagerbewertung stehen Bewertungszeitpunkt (Fortlaufend bei Rechnung, Periodisch bei Abschluss), Kalkulationsverfahren, Bewertungskonto, Journal und die Frist für Abschlussbuchungen. Das firmenweite Kalkulationsverfahren ist der Standardwert und lässt sich laut Dokumentation je Produktkategorie überschreiben; die Kategorien erreichen Sie als Lager-Manager unter Lager > Konfiguration > Produkte > Produktkategorien.
Periodisch (bei Abschluss) bucht Lieferantenrechnungen als Aufwand und zieht den Lagerwert erst mit der Abschlussbuchung nach; die Dokumentation bezeichnet es als beste Praxis für Europa. Fortlaufend (bei Rechnung) bucht den Wareneinsatz beim Verkauf. Bis Odoo 18 erzeugte Fortlaufend je Lagerbewegung eine Buchung; seit Odoo 19 wirkt die Methode laut Dokumentation auf der Ebene der Rechnung. Welche Konten eine Bewegung bewegen, steht im Artikel Lagerbuchungen und Konten; die Frage Kontinental oder angelsächsisch behandelt Kontinental oder angelsächsisch buchen.
Zum Prüfen: In der App Lager zeigt Berichtswesen > Bestand Menge und Wert je Produkt und Stichtag; am Produkt stehen Einzelkosten und Gesamtwert, und eine FIFO-Schicht lässt sich über Aktion > Bewertung anpassen korrigieren. In der App Buchhaltung zeigt Prüfung > Bestandsbewertung Anfangswert, Bestandsveränderung und Endbestand; mit Generieren erzeugen Sie die Abschlussbuchung.
Ein Hinweis zu Edition und Hosting: Die App Lager steht laut Editionsseite (14.10.2026) in Community und Enterprise; die App Buchhaltung mit Konten, Abschlussbuchung und dem Bericht Bestandsbewertung führt dieselbe Seite nur in der Spalte Enterprise, ebenso die Zeile Hosting. Community betreiben Sie daher auf eigener Infrastruktur, die App Lager dort ohne App Buchhaltung.
Was Handels- und Steuerrecht zulassen
Die Bewertungsmethode ist keine reine Softwarefrage. Deutschland und Österreich folgen dem HGB beziehungsweise dem UGB, die Schweiz dem Obligationenrecht; daneben gelten steuerliche Regeln. Rechtslage für diesen Abschnitt: 14. Oktober 2026.
| Land | Grundlage | Was die Norm regelt |
|---|---|---|
| Deutschland | § 240 Abs. 4 HGB | Gleichartige Vorratsgegenstände dürfen zu einer Gruppe zusammengefasst und mit dem gewogenen Durchschnittswert angesetzt werden. |
| Deutschland | § 256 Satz 1 HGB | Für gleichartige Vorratsgegenstände darf unterstellt werden, dass die zuerst oder die zuletzt angeschafften zuerst verbraucht oder veräußert wurden, soweit das den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht. |
| Deutschland | § 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG | Steuerpflichtige, die den Gewinn nach § 5 EStG ermitteln, können für den Wertansatz gleichartiger Wirtschaftsgüter des Vorratsvermögens unterstellen, dass die zuletzt angeschafften oder hergestellten zuerst verbraucht oder veräußert wurden, soweit das den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht; von dieser Verbrauchs- oder Veräußerungsfolge darf in den folgenden Wirtschaftsjahren nur mit Zustimmung des Finanzamts abgewichen werden. |
| Österreich | § 209 Abs. 2 UGB | Gleichartige Gegenstände des Finanzanlage- und des Vorratsvermögens sowie Wertpapiere dürfen als Gruppe mit dem gewogenen Durchschnittswert angesetzt werden; für gleichartige Vorratsgegenstände darf unterstellt werden, dass die zuerst oder zuletzt angeschafften oder hergestellten zuerst oder in einer sonstigen bestimmten Folge verbraucht oder veräußert wurden, soweit das den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht. |
| Österreich | § 6 Z 2 lit. a EStG 1988 | Umlaufvermögen ist mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten anzusetzen; ist der Teilwert niedriger, darf dieser angesetzt werden. |
| Schweiz | Art. 960 Abs. 1 OR | Aktiven und Verbindlichkeiten werden in der Regel einzeln bewertet, sofern sie wesentlich sind und aufgrund ihrer Gleichartigkeit für die Bewertung nicht üblicherweise als Gruppe zusammengefasst werden. |
| Schweiz | Art. 960a Abs. 2 OR | Grundregel für die Folgebewertung: Aktiven dürfen nicht höher als zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet werden; Bestimmungen für einzelne Arten von Aktiven bleiben vorbehalten. |
| Schweiz | Art. 960b Abs. 1 OR | Aktiven mit Börsenkurs oder einem anderen beobachtbaren Marktpreis in einem aktiven Markt dürfen in der Folgebewertung zum Kurs oder Marktpreis am Bilanzstichtag bewertet werden, auch wenn dieser über dem Anschaffungswert liegt; wer von diesem Recht Gebrauch macht, muss alle Aktiven der entsprechenden Bilanzpositionen mit beobachtbarem Marktpreis so bewerten, im Anhang darauf hinweisen und den Gesamtwert für Wertschriften und übrige Aktiven mit beobachtbarem Marktpreis je gesondert offenlegen. |
| Schweiz | Art. 960c Abs. 1 OR | Liegt in der Folgebewertung von Vorräten und nicht fakturierten Dienstleistungen der Veräusserungswert unter Berücksichtigung noch anfallender Kosten am Bilanzstichtag unter den Anschaffungs- oder Herstellungskosten, muss dieser Wert eingesetzt werden. |
Zwei Punkte folgen daraus für die Praxis. Die Durchschnittsbewertung in Odoo rechnet den Wert bei jedem Zugang neu; § 240 Abs. 4 HGB und § 209 Abs. 2 UGB erlauben den gewogenen Durchschnittswert dagegen als Abschluss-Vereinfachung. Die steuerliche Lifo-Unterstellung nach § 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG hat in Odoo kein Kalkulationsverfahren: Odoo führt Lifo nur als Entnahmestrategie, die den Wert nicht ändert. Wie Sie den steuerlichen Wertansatz führen, klären Sie mit Ihrer Steuerberatung.
Typische Fehler
- Standardpreis ohne Pflege: Das feste Kalkulationsverfahren rechnet jeden Zugang mit demselben Preis, die Differenz zum tatsächlichen Einkaufspreis bleibt außerhalb des Lagerwerts. Für Fortlaufend mit Standardpreis nennt die Dokumentation dafür ein Preisdifferenzkonto in der Produktkategorie.
- Interne Umlagerung als Wertereignis: Ware von einem Regal ins andere zu buchen ändert den Wert nicht.
- Mengenbericht mit Buchwert verglichen: Die Differenz heißt Bestandsveränderung und wird erst mit der Abschlussbuchung ausgeglichen.
- Lifo als Bewertungsmethode erwartet: Lifo steuert in Odoo nur, welche Ware zuerst kommissioniert wird.
- Methode je Lagerort gesucht: Das Kalkulationsverfahren hängt an der Produktkategorie.
So gehen Sie vor
- Legen Sie mit Ihrer Buchhaltung fest, welche Methode Handels- und Steuerbilanz brauchen, und halten Sie die Begründung fest.
- Prüfen Sie in der App Buchhaltung (laut Editionsseite nur Enterprise) unter Buchhaltung > Konfiguration > Einstellungen im Abschnitt Lagerbewertung: Bewertungszeitpunkt, Kalkulationsverfahren, Bewertungskonto, Journal.
- Prüfen Sie je Produktkategorie unter Lager > Konfiguration > Produkte > Produktkategorien, ob die Methode passt; die Firmeneinstellung ist nur der Standardwert.
- Buchen Sie die vier Bewegungen der Beispielrechnung in einer Testdatenbank und vergleichen Sie Einzelkosten, Gesamtwert und Bericht Bestand mit Ihrer Erwartung.
- Gleichen Sie am Periodenende in der App Buchhaltung unter Prüfung > Bestandsbewertung ab (Anfangswert, Bestandsveränderung, Endbestand) und begründen Sie jede Bewertungsanpassung im System.