Lagerorte und Lagerplätze in Odoo einrichten
Kurz gesagt
In Odoo 20.0 hängen Lagerorte hierarchisch zusammen: Räume und Regale legen Sie unter dem Hauptlagerort des Standardlagerhauses (WH/Stock) an, der Lagerortname setzt sich aus Eltern- und eigenem Namen zusammen; weitere Lagerhäuser haben eigene Kurznamen. Aktivieren Sie zuerst die Funktionen Lagerorte und Mehrstufige Routen, dann bauen Sie unter Konfiguration ‣ Lagerorte die Struktur auf. Einlagerungsregeln verteilen Ware automatisch in Unterlagerorte; die Option Nächstgelegener Standort verlangt zwingend eine Lagerkategorie.
Das Wichtigste
- Die App Lager (Inventory) ist laut Editionsseite von Odoo S.A. in Community und Enterprise enthalten.
- Lagerorte bilden eine Hierarchie aus Eltern- und Unterlagerorten; WH ist der Kurzname des voreingestellten Standardlagerhauses, jedes weitere Lagerhaus erhält einen eigenen Kurznamen von höchstens fünf Zeichen. Beispielpfad aus der Dokumentation 20.0: WH/Stock/Zone A/Refrigerator 1.
- Lagerorttypen in Odoo 20.0: Lieferant, Virtuell, Intern, Kunde, Bestandsschwund, Produktion, Transit; Lagerflächen erhalten den Typ Intern.
- Einlagerungsregeln (Putaway Rules) setzen Mehrstufige Routen voraus; das Feld Lagern in muss ein Unterlagerort des Feldes Bei Produkteingang in sein.
- Odoo verteilt eine empfangene Menge nicht automatisch auf mehrere Lagerorte: überschreitet sie die Kapazität, geht die gesamte Menge an den empfohlenen Lagerort.
- Mit der Unterlagerort-Option Nächstgelegener Standort ist die Lagerkategorie im Feld Mit Kategorie zwingend; deren Lagerorte müssen Unterlagerorte des Feldes Lagern in sein.
Odoo bildet ein Lager zweistufig ab: Das Lagerhaus (Warehouse) trägt die Adresse, Lagerorte (Locations) beschreiben, wo genau die Ware steht. Diese Lagerorte hängen in einem Baum zusammen — Räume hängen am Hauptlager, Regale am Raum. Wie Sie diesen Baum für Ihr Lager aufbauen und mit Einlagerungsregeln verbinden, zeigt diese Anleitung für Odoo 20.0 (App Lager). Den Rahmen, welche Vorgänge zwischen den Lagerorten laufen, behandelt der Artikel Lager-App: Aufbau, Lagerorte und Vorgänge.
Was Sie vorab brauchen
- Administratorzugriff auf die App Lager; alle folgenden Menüpunkte liegen unter Lager ‣ Konfiguration.
- Eine Raum- und Regalliste, wie Ihr physisches Lager beschriftet ist; die Lagerortnamen sollten diesen Schildern entsprechen.
- Eine Entscheidung darüber, ob Ware automatisch in Regale verteilt werden soll; dafür benötigen Sie die Funktion Mehrstufige Routen.
- Optional, nur mit der Enterprise-Edition: die installierte App Barcode; die Editionsseite von Odoo S.A. führt sie ausschließlich bei Enterprise. Laut Dokumentation muss die App installiert sein, damit das Barcode-Feld am Lagerort beim Scannen wirkt.
- Optional: die Funktion Pakete, wenn Sie Kapazität pro Pakettyp begrenzen wollen.
Schritt für Schritt: Lagerorte aufbauen
Schritt 1: Funktionen aktivieren
Öffnen Sie Lager ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen und setzen Sie im Abschnitt Warehouse (Lagerhaus) das Kontrollkästchen Lagerorte (Storage Locations). Klicken Sie auf Speichern. Die Dokumentation beschreibt diese Funktion als typischerweise gemeinsam mit Mehrstufige Routen (Multi-Step Routes) genutzt, die steuert, wie Produkte zwischen Lagerorten bewegt werden. Setzen Sie auch dieses Kontrollkästchen, aktiviert Odoo Lagerorte automatisch mit. Prüfen Sie danach, dass unter Lager ‣ Konfiguration der Menüpunkt Lagerorte erscheint.
Schritt 2: Lagerhaus prüfen
Öffnen Sie Lager ‣ Konfiguration ‣ Lagerhäuser. Jede Datenbank enthält ein voreingestelltes Lagerhaus mit der Firmenadresse. Prüfen Sie zwei Felder: Lagerhaus (der vollständige Name) und Kurzname, der maximal fünf Zeichen lang ist, in der Standarddatenbank WH lautet und auf Lagerdokumenten erscheint — wählen Sie also ein erkennbares Kürzel. Weitere Pflichtfelder sind Adresse und Unternehmen; für Unternehmen in der Europäischen Union kommt die Intrastat-Region hinzu. Ein zweites Lagerhaus legen Sie mit Neu an, wenn Sie mehrere physische Standorte führen. Die Stufen für Ein- und Warenausgänge im selben Formular stehen nur mit Mehrstufige Routen zur Verfügung.
Schritt 3: Übergeordnete Lagerorte für Räume anlegen
Öffnen Sie Lager ‣ Konfiguration ‣ Lagerorte und klicken Sie auf Neu. Tragen Sie im Feld Lagerortname den Raumnamen ein, zum Beispiel Raum A, und wählen Sie im Feld Übergeordneter Lagerort WH/Stock, den Hauptlagerort des Standardlagerhauses; bei einem weiteren Lagerhaus trägt der Hauptlagerort dessen Kurzname. Speichern Sie. Aus Eltern- und eigenem Namen entsteht der vollständige Pfad, im Dokumentationsbeispiel WH/Stock/Zone A/Refrigerator 1. Legen Sie auf dieselbe Weise einen Lagerort für jeden Raum an.
Schritt 4: Unterlagerorte für Regale anlegen
Wiederholen Sie Schritt 3 mit dem Regal als Lagerortname und dem Raum als Übergeordneter Lagerort: Regal 1 unter Raum A ergibt den Pfad WH/Stock/Raum A/Regal 1. Tiefer als auf Regalebene zu unterteilen brauchen Sie nur, wenn Sie pro Boden einzeln zählen wollen; überlegen Sie vor dem Anlegen, auf welcher Ebene Sie zählen und Ware suchen wollen, denn jede Ebene verlangt einen eigenen Datensatz. Kontrollieren Sie nach jedem Anlegen den zusammengesetzten Pfad in der Liste.
Schritt 5: Lagerorttyp und Zusatzfelder festlegen
Öffnen Sie jeden Lagerort und prüfen Sie im Feld Lagerorttyp den Eintrag Intern; nur so gilt die Fläche als Lagerfläche. Die übrigen Werte der Dokumentation sind Lieferant, Virtuell, Kunde, Bestandsschwund, Produktion und Transit; sie markieren Sonderorte wie Empfang oder Versand. Sinnvoll an dieser Stelle: im Feld Barcode den physischen Regal-Code hinterlegen, das Kontrollkästchen Auffüllungen nur setzen, wenn der Ort Ziel von Einkäufen oder Fertigungen sein soll, und im Abschnitt Logistik eine Entnahmestrategie wählen (FIFO, LIFO, Nächstgelegener Standort, Geringste Anzahl an Paketen — nur mit der Funktion Pakete — oder FEFO).
Schritt 6: Einlagerungsregeln anlegen
Damit Ware automatisch in Räume und Regale verteilt wird, öffnen Sie Lager ‣ Konfiguration ‣ Einlagerungsregeln und legen mit Neu eine Regel an. Wählen Sie das Produkt oder die Produktkategorie, tragen Sie bei Bei Produkteingang in WH/Stock ein und bei Lagern in den Ziellagerort, zum Beispiel WH/Stock/Raum A. Der Ziellagerort muss ein Unterlagerort des Eingangslagerorts sein, sonst greift die Regel nicht. Eine Regel ohne Produkt und Produktkategorie gilt für alle Produkte; die Dokumentation empfiehlt dafür als Unterlagerort-Option Zuletzt verwendet, damit Odoo den zuletzt genutzten Lagerort vorschlägt. Bei mehreren Regeln entscheidet eine Prioritätsliste: Pakettyp mit Produkt vor Pakettyp mit Produktkategorie vor Pakettyp vor Produkt vor Produktkategorie.
Schritt 7: Kapazität mit Lagerkategorien begrenzen
Optional begrenzen Sie, wie viel in ein Regal darf. Legen Sie unter Lager ‣ Konfiguration ‣ Lagerkategorien eine Kategorie an und setzen Sie Grenzen: Max. Gewicht, Kapazität nach Produkt (Höchstmenge je Produkt) oder Kapazität nach Paket, wofür die Funktion Pakete aktiv sein muss. Im Feld Neues Produkt erlauben steuern Sie, wann der Ort als frei gilt: Wenn der Lagerort leer ist, Wenn alle Produkte gleich sind oder Gemischte Produkte erlauben. Weisen Sie die Kategorie dann an den Unterlagerorten im Feld Lagerkategorie zu. In der Einlagerungsregel stellen Sie als Unterlagerort-Option Nächstgelegener Standort ein und tragen die Kategorie im Feld Mit Kategorie ein; die Dokumentation schreibt diese Angabe zwingend vor, und die Lagerorte der Kategorie müssen Unterlagerorte des Feldes Lagern in sein. Sind alle Lagerorte der Kategorie voll, lagert Odoo ins Ziel von Lagern in. Beim Feld Max. Gewicht gilt: Ist ein Produktgewicht definiert, muss der Wert größer als 0 sein. Einschränkung aus der Dokumentation: Odoo teilt eine empfangene Menge nicht automatisch auf mehrere Lagerorte auf.
Schritt 8: Zählrhythmus festlegen
Optional setzen Sie am Lagerort im Feld Inventurhäufigkeit ein Intervall in Tagen; der Standardwert 0 bedeutet keine geplante Zählung. Das Feld Letzte Inventur zeigt das Datum der letzten Zählung und lässt sich nicht ändern, das Feld Als nächstes erwartet füllt Odoo selbst. Das Dokumentationsbeispiel: Zählung alle 30 Tage, letzte Zählung am 13. November, nächste erwartet am 13. Dezember. Wie die Zählung selbst abläuft, behandelt der Artikel Inventur in Odoo durchführen.
Beispiel: Lagerorte für ein Lager mit drei Räumen
Beispiel mit erfundenen Angaben: Ein Handelsbetrieb hat einen Trockenraum, einen Kühlraum und einen Tiefkühlraum; im Trockenraum stehen drei Regale. Der Lagerortbaum sieht so aus:
WH/Stock
├── WH/Stock/Raum A (Typ Intern, Trockenraum)
│ ├── WH/Stock/Raum A/Regal 1 (Typ Intern)
│ ├── WH/Stock/Raum A/Regal 2 (Typ Intern)
│ └── WH/Stock/Raum A/Regal 3 (Typ Intern)
├── WH/Stock/Raum B (Typ Intern, Kühlraum)
└── WH/Stock/Raum C (Typ Intern, Tiefkühlraum)
Drei Einlagerungsregeln verteilen den Wareneingang, der in WH/Stock ankommt:
| Produktkategorie | Bei Produkteingang in | Lagern in |
|---|---|---|
| Trockenware | WH/Stock | WH/Stock/Raum A |
| Kühlware | WH/Stock | WH/Stock/Raum B |
| Tiefkühlware | WH/Stock | WH/Stock/Raum C |
Soll innerhalb von Raum A nach Regalen unterschieden werden, weisen Sie eine Lagerkategorie den Regal-Unterlagerorten WH/Stock/Raum A/Regal 1 bis Regal 3 zu und ändern die Trockenware-Regel: Lagern in bleibt WH/Stock/Raum A, als Unterlagerort-Option wählen Sie Nächstgelegener Standort und tragen die Kategorie im Feld Mit Kategorie ein. Die Kategorie-Lagerorte müssen laut Dokumentation Unterlagerorte des Feldes Lagern in sein — das Ziel bleibt daher Raum A, nicht Regal 1; über eine Regel, die direkt auf WH/Stock/Raum A/Regal 1 zielt, findet keine Kapazitätsauswahl zwischen den Regalen statt. Sind alle Regal-Lagerorte der Kategorie voll, lagert Odoo ins Ziel der Regel, also nach Raum A. Wie die Ware danach zur Ausgabe läuft, hängt von den Lagerrouten ab (siehe Lagerrouten und Regeln in Odoo).
So prüfen Sie das Ergebnis
Öffnen Sie einen Raum-Lagerort unter Konfiguration ‣ Lagerorte: Die Kacheln Einlagerungsregeln und Produkte zeigen, welche Regeln am Ort hängen und was dort gelagert ist. Empfangen Sie danach testweise eine Einheit eines Produkts mit Regel: Bei einem zweistufigen Wareneingang verteilt Odoo bei der Einlagerung gemäß den Regeln, die Kapazitätsempfehlung einer Lagerkategorie erscheint im Transportformular (Warehouse Transfer). Steht die Einheit im erwarteten Regal, ist die Kette vollständig. Den vorgelagerten Eingang selbst prüft der Artikel Wareneingang und Lieferung in Odoo.
Wenn etwas nicht klappt
| Symptom | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Menüpunkt Lagerorte fehlt unter Konfiguration | Funktion Lagerorte ist nicht aktiviert | Lager ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen, Kontrollkästchen im Abschnitt Warehouse setzen |
| Einlagerungsregel greift nicht | Lagern in ist kein Unterlagerort von Bei Produkteingang in | Ziellagerort unter dem Eingangslagerort anlegen und die Regel anpassen |
| Odoo wählt nicht die erwartete Regel | eine Regel höherer Priorität (Pakettyp, Produkt) passt zuerst | Regeln gegen die Prioritätsliste der Dokumentation prüfen |
| Kapazitätsgrenze wird überschritten | Odoo teilt eine empfangene Menge nicht automatisch auf | Menge über den Link Details und Detaillierte Vorgänge von Hand auf Lagerorte aufteilen |
| Einlagerung verteilt nicht auf Nebenlagerorte | Max. Gewicht der Lagerkategorie steht auf 0, obwohl ein Produktgewicht definiert ist | einen Wert größer als 0 eintragen; ohne definiertes Produktgewicht greift diese Prüfung nicht |
| Barcode am Lagerort ohne Wirkung | App Barcode ist nicht installiert (nur Enterprise) | Enterprise: App installieren und Barcode-Feld am Lagerort pflegen; die App ist in Community nicht enthalten |
Wann Sie Hilfe holen sollten
Die Struktur der Lagerorte wirkt auf Nachbestellung, Kommissionierung und Inventur; wer sie nachträglich umbaut, verschiebt auch Bestände im Baum. Bei mehreren Lagerhäusern, Zolllagern oder einem Wechsel der Raumstruktur lohnt sich vor dem Umbau ein Abgleich mit Ihrem Dienstleister oder einer Testkopie der Datenbank — nicht erst, wenn die ersten Buchungen im falschen Lagerort landen.