Odoo für die Schweiz: Was die Lokalisierung abdeckt
Kurz gesagt
Für eine Firma mit Firmenland Schweiz enthält das Community-Modul Switzerland - Accounting (l10n_ch) den Kontenrahmen Swiss PME/KMU 2015 mit 240 Konten, 17 MWST-Vorlagen und die QR-Rechnung; Swiss - Point of Sale (l10n_ch_pos) ergänzt die Kasse. Belegt ist beides über den öffentlichen Community-Zweig 20.0. Die Dokumentationsseite Switzerland nennt weder Modulnamen noch Edition und beschreibt den Einzahlungsschein statt der QR-Rechnung.
Das Wichtigste
- Schweiz: l10n_ch und l10n_ch_pos stehen im öffentlichen Community-Zweig 20.0 (Modulliste, abgerufen am 14. Oktober 2026); die Seite Switzerland nennt kein Modul und keine Edition.
- l10n_ch legt den Kontenrahmen Swiss PME/KMU 2015 mit 240 Konten an; vorbelegt sind Debitoren 1100, Kreditoren 2000 und 8,1 Prozent als Standardsteuer für Verkauf und Einkauf.
- Die 17 Steuervorlagen des Moduls sind alle standardmässig aktiv und decken 8,1, 2,6, 3,8 und 0 Prozent ab; zwei Vorlagen mit 100 Prozent führen die Einfuhrsteuer.
- Der Steuerbericht trägt Ziffern von 200 bis 910 und beide Satz-Generationen (bis 31.12.2023 und ab 01.01.2024); Zeilen für den Saldosteuersatz haben wir darin nicht gefunden.
- Die QR-Rechnung setzt Odoo nur auf Ausgangsrechnungen und nur, wenn das Bankjournal ein Konto mit IBAN-Qualität führt, das Kundenland die Schweiz oder Liechtenstein ist und die Währung CHF oder EUR lautet; beim Aufbau des Belegs müssen Postleitzahl, Ort und Land beim Kunden und beim Kontoinhaber gesetzt sein, und zu einer QR-IBAN gehört eine QR-Referenz.
- Schweiz: Die Sätze 8,1 Prozent Normalsatz, 2,6 Prozent reduziert und 3,8 Prozent Beherbergung gelten seit 1. Januar 2024 (Art. 25 MWSTG); ein Bundesbeschluss vom 19. Juni 2026 will den Normalsatz erhöhen und wird Volk und Ständen vorgelegt.
Wer in der Schweiz mit Odoo bucht, fragt nach einer Liste: Welche Konten legt das System an, welche Steuervorlagen bringt es mit, was steht im Steuerbericht, und was landet auf der Rechnung. Die Antwort steckt nicht in der Dokumentationsseite Switzerland: Sie nennt kein Modul und beschreibt den Einzahlungsschein (ISR), den die QR-Rechnung abgelöst hat. Die folgenden Abschnitte trennen deshalb drei Dinge: was die Dokumentation beschreibt, was im öffentlichen Community-Zweig 20.0 tatsächlich liegt, und was Sie vor der ersten Buchung klären müssen.
Was die Schweizer Lokalisierung umfasst
Die Seite Fiscal localizations führt die Schweiz unter den Ländern mit einer Fiskallokalisierung und beschreibt, dass Odoo die Kernmodule automatisch installiert, sobald die Buchhaltung für eine Firma mit Firmenland Schweiz angelegt wird. Das aktive Paket prüfen Sie unter Accounting ‣ Configuration ‣ Settings im Feld Package. Einen Modulnamen nennt die Seite Switzerland nicht.
Im öffentlichen Community-Zweig 20.0 stehen zwei Schweizer Module: Switzerland - Accounting (l10n_ch, Lizenz LGPL-3) mit Kontenrahmen, Steuern und QR-Rechnung und Swiss - Point of Sale (l10n_ch_pos), das von l10n_ch und point_of_sale abhängt und automatisch mitinstalliert wird. Der Editionsvergleich von Odoo (14. Oktober 2026) führt Localizations und Reports nur in der Spalte Enterprise und Invoicing in beiden Spalten; Modulnamen nennt er nicht.
Die Abdeckung im Überblick
Die Tabelle gilt für eine Firma mit Firmenland Schweiz in Odoo 20.0. «Community-Quellcode» heisst: Die Angabe steht in den Moduldateien des öffentlichen Zweigs 20.0 (abgerufen am 14. Oktober 2026). «Dokumentation» heisst: Nur die offizielle Seite beschreibt die Funktion; sie nennt dabei kein Modul und keine Edition.
| Bereich | Was belegt ist | Modul | Fundort | Offen oder zu klären |
|---|---|---|---|---|
| Kontenrahmen | Swiss PME/KMU 2015 mit 240 Konten; 236 vierstellige Nummern, vier fünfstellige (58201, 58202, 58211, 60522); Debitoren 1100, Kreditoren 2000, Bankkonten mit Präfix 102, Kassen 100, Verrechnung 1090 | l10n_ch | Community-Quellcode | Paket nur vor der ersten Buchung wechseln (Dokumentation); Konten an Ihr Kontenbild anpassen |
| MWST-Vorlagen | 17 Vorlagen, alle standardmässig aktiv: 8,1 Prozent (Verkauf, Einkauf, Investitionen, Bezugssteuer), 2,6 Prozent, 3,8 Prozent Beherbergung, 0 Prozent für Export, ausgenommene Inlandleistungen und Import, zwei Vorlagen mit 100 Prozent als Teiler für die Einfuhrsteuer; acht Steuergruppen | l10n_ch | Community-Quellcode | Welche Vorlage für welche Leistung gilt, ist eine Steuerrechtsfrage; aktivieren Sie danach aus |
| Steuerbericht | Ziffern von 200 bis 910, darunter 200 (Entgelte), 299 (steuerbarer Gesamtumsatz), 303a/303b (8,1 Prozent), 313a/313b (2,6 Prozent), 343a/343b (3,8 Prozent), 400/405 (Vorsteuer) und 500 (Zahlbetrag); auch die Sätze bis 31.12.2023 sind enthalten | l10n_ch | Community-Quellcode | Zeilen für die Abrechnung nach Saldosteuersatz fehlen (eigene Ziffern 323/333 im amtlichen Beiblatt); Übermittlung an die ESTV nicht beschrieben |
| QR-Rechnung | Bericht QR-bill auf der Rechnung: Swiss QR Code in Version 0200, Kodierung 1, strukturierte Adresse (Typ S), Betrag, Währung CHF oder EUR, Referenztyp QRR, SCOR oder NON, Trailer EPD, Fehlerkorrekturstufe M | l10n_ch | Community-Quellcode | Die Seite Switzerland beschreibt den Einzahlungsschein; im Community-Zweig 20.0 haben wir keinen ISR-Bericht gefunden |
| QR-Referenz und QR-IBAN | QR-IBAN nur für Konten mit CH- oder LI-IBAN und Bank-IID 30000 bis 31999; bei QR-IBAN muss die Zahlungsreferenz eine QR-Referenz sein (27 Zeichen, Prüfziffer mod10r), sonst ist auch eine Gläubigerreferenz nach ISO 11649 (SCOR) möglich | l10n_ch | Community-Quellcode | Konto und Referenz mit der Bank abstimmen; SIX-Regelwerk Version 2.3 gilt seit 21. November 2025, Version 2.4 ab 14. November 2026 |
| Zahlungsverkehr | Kommunikationsstandard Schweiz am Kundenjournal, Swiss ISO 20022 für Zahlungsaufträge, SEPA-PAIN-Versionen und XML-Export aus dem Zahlungsstapel | kein Modul genannt | Dokumentation | Prüfen, welchen Standard Ihre Bank verlangt; siehe Bankanbindung CAMT und ISO 20022 |
| Fremdwährung | Automatische Aktualisierung der Kurse über die Eidgenössische Steuerverwaltung (Federal Tax Administration) in den Buchhaltungseinstellungen | kein Modul genannt | Dokumentation | Die ESTV führt Tages- und Monatsmittelkurse für die MWST-Abrechnung; Umrechnung mit der Steuerberatung festlegen |
Kontenrahmen: Buchführung ohne amtlichen Rahmen
Das Obligationenrecht verlangt Buchführung nach den Grundsätzen ordnungsmässiger Buchführung und die Aufbewahrung während zehn Jahren (Art. 957a Abs. 2 und Art. 958f Abs. 1 OR), das Mehrwertsteuergesetz die Führung nach den handelsrechtlichen Grundsätzen (Art. 70 Abs. 1 MWSTG); einen amtlichen Kontenrahmen sehen diese Normen nicht vor. Odoo legt deshalb die Vorlage Swiss PME/KMU 2015 mit 240 Konten an; voreingestellt sind Debitoren 1100, Kreditoren 2000, Bankpräfix 102, Kassen 100 und Verrechnung 1090. Klären Sie den Aufbau mit Ihrer Treuhand vor der ersten Buchung, denn das Paket lässt sich laut Dokumentation nur wechseln, solange kein Eintrag gebucht ist.
MWST: Vorlagen, Bericht, offene Methode
8,1 Prozent Normalsatz, 2,6 Prozent reduzierter Satz und 3,8 Prozent für Beherbergungsleistungen: In dieser Höhe stehen die Sätze seit 1. Januar 2024 in Art. 25 MWSTG, und so führt sie das Modul als Vorlagen mit. Der Beherbergungssatz ist im Normtext bis längstens 31. Dezember 2027 befristet. Der Steuerbericht gliedert die Abrechnung in Ziffern: 200 für den Umsatz, 220 bis 289 für die Abzüge, 303a für die Leistungen und 303b für die Steuer zum Normalsatz, 400 und 405 für die Vorsteuer und 500 für den Zahlbetrag; die Zeilen für die Sätze bis 31. Dezember 2023 (7,7, 2,5 und 3,7 Prozent) sind ebenfalls enthalten.
Die ESTV verlangt seit 1. Januar 2025, dass alle mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmen die Abrechnung im ESTV-Portal einreichen, und führt für die Abrechnung nach Saldosteuersatz ein eigenes Formular mit anderen Ziffern; Zeilen dafür haben wir im Bericht nicht gefunden. Den Rechenweg behandelt MWST-Abrechnung aus Odoo.
Was sich ändern kann: Am 19. Juni 2026 hat die Bundesversammlung einen Bundesbeschluss verabschiedet, der den Normalsatz um 0,4 und den Sondersatz für Beherbergung um 0,2 Prozentpunkte erhöhen will (BBl 2026 1757). Er wird Volk und Ständen zur Abstimmung unterbreitet, das Inkrafttreten bestimmt der Bundesrat. Bis dahin gelten die Sätze unverändert; nach einer Erhöhung müssten Sie die Vorlagen anpassen.
QR-Rechnung: was Odoo auf die Rechnung setzt
Die QR-Rechnung setzt Odoo beim Druck auf die letzte Seite der Rechnung; den Beleg liefert ein eigener Bericht, den Odoo in die Rechnungs-PDF einfügt. Dabei greifen zwei Stufen. Vor dem Druck entscheiden drei Bedingungen: Das Konto am Bankjournal hat IBAN-Qualität, das Kundenland ist die Schweiz oder Liechtenstein, die Währung ist CHF oder EUR. Fällt eine davon durch, kommt kein QR-Abschnitt auf die Rechnung; beim Druck über die QR-Aktion zeigt Odoo stattdessen das Fenster «Beim Drucken des QR-Codes ist ein Problem aufgetreten», das die Zahl der betroffenen Rechnungen nennt. Erst die Schaltfläche «Ungültige Rechnungen prüfen» (Check invalid invoices) listet sie auf und schreibt den Grund in den Chatter der Rechnung. Beim Aufbau des Belegs prüft Odoo zusätzlich Postleitzahl, Ort und Land beim Kunden und beim Inhaber des Bankkontos sowie bei einer QR-IBAN die QR-Referenz; bei einem IBAN-Konto genügt auch eine Gläubigerreferenz nach ISO 11649 (SCOR). Fehlt eine dieser Angaben, bricht der Beleg mit einer Fehlermeldung ab, statt den QR-Abschnitt wegzulassen. Ein Testbeleg zeigt, ob Konto, Referenz und Betrag stimmen; den Ablauf beschreibt QR-Rechnung in Odoo.
Den Rahmen setzt SIX als Herausgeberin der Swiss Payment Standards: Die QR-Rechnung ist seit Juni 2020 in Umlauf und hat am 1. Oktober 2022 die Einzahlungsscheine abgelöst. Version 2.3 der Implementation Guidelines gilt seit 21. November 2025; sie definiert als Adresstyp nur noch die strukturierte Adresse (Code «S», Kapitel 4.2.2 und 4.3.1) und hat die bisherige Option kombinierter Adressfelder gestrichen. Version 2.4 gilt ab 14. November 2026, bringt für Rechnungen in Schweizer Franken keine technischen Änderungen und ersetzt Version 2.3, die laut SIX bis November 2027 gültig bleibt. Prüfen Sie nach diesem Wechsel einen Druckbeleg.
Was offen bleibt
- Die Seite Switzerland beschreibt den Einzahlungsschein und Schaltflächen wie Print bank on ISR. Im öffentlichen Zweig 20.0 haben wir keinen ISR-Bericht gefunden, sondern den QR-Bericht. Prüfen Sie in Ihrer Datenbank, welcher Beleg erscheint.
- Die Seite Switzerland datiert die Satzerhöhung auf den 1. Januar 2025. Nach Art. 25 Abs. 1, 2 und 4 MWSTG gelten 8,1, 2,6 und 3,8 Prozent seit 1. Januar 2024. Fristen richten Sie nach dem Gesetz.
- Ob die Ziffern des Berichts der ESTV-Abrechnung eins zu eins entsprechen und ob es einen Datenaustausch mit dem Portal gibt, sagt die Dokumentation nicht.
- Welche Edition und welche Hostingart die zwei Module mitbringen, ordnet die Seite Switzerland nicht zu; der Editionsvergleich nennt Localizations nur in der Spalte Enterprise.
- Die Länderliste der Lohnlokalisierungen führt die Schweiz, eine eigene Seite hat sie in 20.0 nicht; die Verfügbarkeit eines Schweizer Lohnmoduls klären Sie im Angebot.
- Die Vorlagen richten sich an im Register eingetragene steuerpflichtige Personen. Wer nach Art. 10 Abs. 2 Bst. a MWSTG befreit ist, weil er innerhalb eines Jahres im In- und Ausland weniger als CHF 100 000 Umsatz aus Leistungen erzielt, die nicht nach Art. 21 Abs. 2 MWSTG von der Steuer ausgenommen sind, und den Umsatz nach Abs. 2bis ohne die Steuer rechnet, braucht sie nicht für eine Abrechnung. Das ist eine Befreiung unter mehreren: Wer die Schwelle von CHF 100 000 erreicht oder überschreitet, fällt nur unter diesen Tatbestand nicht mehr; die übrigen Befreiungen von Art. 10 Abs. 2 MWSTG (Bst. b bis d) bleiben möglich.
So prüfen Sie Ihre Datenbank
Die folgenden Schritte führen Sie in einer Test- oder Kopie-Datenbank aus; das Rechenbeispiel verwendet erfundene Zahlen.
- Prüfen Sie unter Accounting ‣ Configuration ‣ Settings das Feld Package, solange kein Eintrag gebucht ist.
- Öffnen Sie die Steuerliste und markieren Sie die Vorlagen, die zu Ihren Umsätzen passen; schalten Sie fehlende frei und legen Sie die Standardsteuern für Verkauf und Einkauf fest.
- Öffnen Sie das Bankjournal: Kontonummer oder QR-IBAN, Kommunikationsstandard Schweiz und Zahlungsweg. Fragen Sie bei der Bank nach, welche Referenz sie für Ihr Konto zulässt.
- Erstellen Sie eine Testrechnung an einen Kunden in der Schweiz über CHF 1’200 netto mit 8,1 Prozent Normalsatz; im Steuerbetrag müssen CHF 97.20 stehen, und der QR-Abschnitt muss Konto, Referenz und Betrag zeigen.
- Lösen Sie den QR-Druck für eine Rechnung aus, deren Bankjournal kein Konto mit IBAN-Qualität führt: Odoo zeigt das Fenster «Beim Drucken des QR-Codes ist ein Problem aufgetreten»; öffnen Sie darin «Ungültige Rechnungen prüfen» und lesen Sie den Grund im Chatter der Rechnung.
- Öffnen Sie den Steuerbericht für eine Periode mit Buchungen und vergleichen Sie die Ziffern 303a und 303b mit dem Journal.