Von Odoo 19 auf 20: Was sich bei der Umstellung ändert
Kurz gesagt
Der Wechsel von Odoo 19 auf 20 ist ein Upgrade innerhalb des Abonnements: Den technischen Umbau der Datenbank deckt das Enterprise-Abonnement ab, abgedeckte Zusatzmodule darf Odoo dabei jedoch einmalig je fehlendem Monat nachberechnen, wenn ihre Wartungsgebühr in den letzten zwölf Monaten nicht gezahlt wurde, und eigene Module müssen vorher für 20.0 vorliegen. Zu prüfen sind Änderungen am App-Zuschnitt, an Menüs und an Editionsgrenzen; mehrere davon gelten nur in Enterprise, die Community-Edition ohne Abonnement betrifft der Upgrade-Dienst nicht.
Das Wichtigste
- Odoo 20 erschien im September 2026, Odoo 19 im September 2025 (Release-Übersicht).
- Der Umbau der Datenbank ist im Enterprise-Abonnement enthalten; nicht dazu gehören Datenbereinigung, Schulung und das Prüfen der umgebauten Datenbank, und für ein abgedecktes Zusatzmodul ohne Wartungsgebühr in den letzten zwölf Monaten darf Odoo beim Upgrade einmalig je fehlendem Monat nachberechnen.
- Eine Datenbank mit eigenen Modulen lässt sich erst umstellen, wenn deren Quellcode für 20.0 vorliegt.
- 19.0 zählt zu den drei jüngsten Hauptversionen; der Zuschlag für alte Versionen greift beim Schritt auf 20.0 nicht.
- Auf Odoo Online ist der Versionswechsel Pflicht: für eine Datenbank auf einer Hauptversion alle zwei Jahre.
- KI-Funktionen und die Außendienst-App gehören zur Enterprise-Edition; Außendienst geht in der Planung auf.
Ein Versionswechsel bei Odoo trifft mehr als die Technik. Er verändert Menüs, Bezeichnungen und den Zuschnitt einzelner Apps, und die Release Notes zu 20.0 verteilen die Punkte über viele App-Abschnitte. Wer sie vor dem Termin kennt, muss danach weniger Arbeitsanweisungen und Screenshots korrigieren.
Worauf es bei der Umstellung ankommt
Die Umstellung hat drei Ebenen. Technisch ist sie ein Upgrade der Datenbank, das Odoo auf einer eigenen Plattform ausführt (Ablauf eines Odoo-Upgrades). Kaufmännisch hängt sie am Abonnement: Der Umbau der Datenbank ist Teil des Upgrade-Dienstes, das Prüfen und Abnehmen der umgebauten Datenbank legt Ziffer 4.3 des Abonnementvertrags aber dem Kunden auf. Eine Ausnahme von der Kostenfreiheit des Dienstes nennt Ziffer 5.1: Für ein abgedecktes Zusatzmodul, dessen Wartungsgebühr in den letzten zwölf Monaten nicht gezahlt wurde, darf Odoo beim Upgrade einmalig je fehlendem Monat nachberechnen. Für Anwender schließlich ändern sich Menüs, Bezeichnungen und Standardverhalten.
Ob ein Punkt Sie trifft, entscheiden zwei Merkmale: die Edition (Community oder Enterprise) und die App, in der Sie arbeiten. Die Liste unten nennt beides. Die Änderungen stammen aus den Release Notes 20, die Editionsangabe aus dem offiziellen Editionsvergleich; die Release Notes nennen zu den einzelnen Punkten keine Edition. Für die Zeilen zu Konten, Zahlungsstatus und Spesen kommt deshalb zusätzlich der öffentliche Quellcode des Zweigs 20.0 hinzu (Module account und hr_expense).
Was sich ändert, nach Wirkung sortiert
Die Tabelle ist nach Wirkung geordnet: zuerst Lizenz und Benutzerzählung, dann Menüs und Bezeichnungen, dann einzelne Apps. Die Spalte Edition nennt zuerst die Edition und in Klammern die App, in der die Änderung greift; die Zeile betrifft Sie nur, wo diese App installiert ist und die Funktion genutzt wird. Die Liste ist nicht vollständig: Maßstab ist, welche Apps Ihre Datenbank führt, daneben der Abschnitt der Release Notes zu jeder App. Landesspezifische Änderungen an den Lokalisierungen stehen nicht in dieser Liste, sondern im Abschnitt Lokalisierungen der Release Notes.
| Änderung in 20.0 | Wirkung | Edition (App) | Was Sie prüfen |
|---|---|---|---|
| KI-Funktionen brauchen Guthaben, das über In-App-Käufe dazugekauft wird | Lizenz und Kosten | nur Enterprise (KI) | Welche KI-Agenten laufen, und wer kauft die Guthaben |
| Der Zugriff von Light-Benutzern lässt sich auf das Barcode-Modul beschränken | Lizenz (Benutzerzählung) | nur Enterprise (Barcode) | Mitarbeitende im Lager zählen und ihre Rolle eintragen |
| Kontengruppen werden zu übergeordneten Konten; Kontocodes sind optional | Menü und Aufbau | Community (Rechnungsstellung) und Enterprise (Buchhaltung) | Kontenzuordnung und Berichte nach dem Umbau durchsehen |
| Zahlungsstatus heißen Bezahlt und Abgestimmt (Paid, Reconciled); die Schaltfläche Manuell als abgestimmt markieren liegt im Aktionsmenü, das Kontrollkästchen Abstimmung zulassen heißt Zahlungsabstimmung (Payment Reconciliation) | Menü und Bezeichnungen | Community (Rechnungsstellung) und Enterprise (Buchhaltung) | Arbeitsanweisungen und gespeicherte Filter anpassen |
| Der Menüpunkt Mitarbeiterspesen (Employee Expenses) unter Lieferanten entfällt | Menü | Community (Rechnungsstellung) und Enterprise (Buchhaltung) | Arbeitsanweisungen zum Menüweg anpassen |
| Genehmigte Spesen erzeugen Entwürfe von Eingangsrechnungen im Standard-Spesenjournal | Ablauf | Community und Enterprise (Spesenabrechnung) | Buchungslauf der Spesen kontrollieren |
| Anlagenmodelle werden zu Abschreibungsmodellen | Menü und Bezeichnung | nur Enterprise (Buchhaltung) | Abschreibungskonten und Anlagenliste prüfen |
| Font-Awesome-Symbole werden durch Material-Symbols ersetzt | Oberfläche | Community und Enterprise | Screenshots und Schulungsfolien erneuern |
| Außendienst (Field Service) wird eingestellt; seine Funktionen gehen in der Planung auf | App-Zuschnitt | nur Enterprise (Außendienst und Planung) | Einsatzplanung im Test durchspielen |
| Der Retouren-Assistent im Lager entfällt | App und Ablauf | Community und Enterprise | Rückgabeablauf mit einer echten Retoure testen |
| Die Einstellung Flexibler Verbrauch in der Fertigung entfällt; aus Produzieren und Alles produzieren wird eine Schaltfläche | App und Bedienung | Fertigung in beiden Editionen; Werkstatt und Barcode nur Enterprise | Arbeitsanweisungen für die Werkstatt anpassen |
| Auftragspositionen brauchen kein Produkt mehr; die neue Einstellung Obligatorisches Produkt erzwingt die Auswahl | Standardverhalten | Community und Enterprise (Verkauf) | Angebotsvorlagen und Importe gegenprüfen |
| SOFORT wird von keinem Zahlungsanbieter mehr als Zahlungsmethode unterstützt | Zahlungsart | Community und Enterprise (Zahlungen) | Zahlungsarten und Zahlungsanbieter prüfen |
| Die Zugriffsebenen im Kassensystem heißen anders; neu ist die Ebene Beaufsichtigt (Supervised) | Berechtigungen | Community und Enterprise (Kassensystem) | Rechte der Mitarbeitenden an der Kasse prüfen |
Die App-Namen folgen der deutschen Oberfläche: Buchhaltung (Accounting), Rechnungsstellung (Invoicing), Spesenabrechnung (Expenses), Lager (Inventory), Fertigung (Manufacturing), Werkstatt (Shop Floor), Verkauf (Sales), Kassensystem (Point of Sale) und Planung (Planning). Den Editionsvergleich prüfen Sie an zwei Zeilen: Rechnungsstellung (Invoicing) führt er in beiden Editionen, Buchhaltung (Accounting) nur in Enterprise; die Anlagen gehören zur Buchhaltung. Die Änderungen an den Konten, am Zahlungsstatus und an den Spesen stecken in den Modulen Rechnungsstellung (Invoicing) und Spesenabrechnung (Expenses), die der Vergleich in beiden Editionen führt; deshalb trifft sie auch eine Community-Datenbank mit installierter Rechnungsstellung.
Ein Beispiel: Fristen für eine Datenbank auf 19
Der Standard-Support einer Hauptversion dauert drei Jahre ab ihrer Veröffentlichung, und zwar in allen drei Hostingmodellen. Das ist der Zeitraum, in dem die Version veröffentlicht und unterstützt wird. Helpdesk, Fehlerbehebung und Sicherheitsupdates in diesem Zeitraum sind Vertragsleistungen aus dem Enterprise-Abonnement (Ziffern 4.1, 4.2 und 4.5); eine Community-Installation ohne Abonnement hat keinen Anspruch darauf. Mit den Erscheinungsmonaten der Release-Übersicht ergibt das für eine Datenbank, die heute auf 19.0 läuft, diese Fristen (die Enden führt die Support-Seite als geplant):
| Version | Erschienen | Standard-Support bis |
|---|---|---|
| 19.0 | September 2025 | September 2028 (geplant) |
| 20.0 | September 2026 | September 2029 (geplant) |
Mit laufendem Enterprise-Abonnement fällt beim Schritt auf 20.0 kein Zuschlag für alte Versionen an. Der Vertrag kennt ihn für Datenbanken, die älter sind als die drei zuletzt veröffentlichten Hauptversionen; 20.0, 19.0 und 18.0 bilden diese Gruppe, und 19.0 liegt noch darin. Sobald drei weitere Hauptversionen erschienen sind, gehört 19.0 nicht mehr dazu.
Unabhängig davon nennt Ziffer 5.1 eine Nachberechnung, die auch beim Schritt auf 20.0 anfallen kann: Für jedes abgedeckte Zusatzmodul, dessen Wartungsgebühr in den letzten zwölf Monaten nicht gezahlt wurde, darf Odoo beim Upgrade einmalig je fehlendem Monat berechnen; abgedeckt ist laut Ziffer 2 ein Zusatzmodul, das auf Odoo Online läuft oder für das der Kunde eine Wartungsgebühr zahlt.
Ob Sie mit dem Wechsel warten dürfen, hängt am Hosting. Auf Odoo Online ist er Pflicht, wenn die Datenbank auf einer Hauptversion läuft; die Dokumentation nennt dafür zwei Jahre. Auf Odoo.sh haben Sie nach Ablauf der drei Support-Jahre zwei weitere Jahre Zeit. Auf einem eigenen Server können Sie auf einer Version bleiben, auch wenn das nicht empfohlen ist.
Typische Fehler bei der Umstellung
- Eigene Module erst zum Termin angehen. Enthält die Datenbank eigene Module, lässt sie sich nicht umstellen, bis deren Quellcode für 20.0 fertig ist. Die Dokumentation rät, beides parallel zu betreiben: Testdatenbank anfordern und Quellcode gleichzeitig anpassen.
- Nur die Technik planen. Der Upgrade-Dienst endet beim Umbau der Datenbank. Datenbereinigung, Schulung und der Test der Kernprozesse bleiben Ihre Aufgabe; ein Fehler, den erst der Produktivbetrieb zeigt, kostet mehr Zeit als der Test vorher.
- Menüwege in Anleitungen stehen lassen. Bezeichnungen wie Zahlungsstatus oder Anlagenmodell heißen nach dem Wechsel anders, und der Menüpunkt Mitarbeiterspesen entfällt. Ohne Nachziehen sucht die Belegschaft an der alten Stelle.
- Den App-Zuschnitt übersehen. Mit dem Außendienst verschwindet eine App, deren Funktionen an anderer Stelle liegen; wer Prozesse darauf gebaut hat, merkt das erst nach dem Wechsel.
- Die eigene Edition nicht mitdenken. Ein Teil der Liste betrifft nur Enterprise, ein anderer Teil beide Editionen. Wer Community nutzt, prüft entsprechend weniger Punkte, aber nicht falsche; die Editionsspalte entscheidet.
So gehen Sie vor
- Zielversion und Frist bestimmen: Support-Ende der eigenen Version berechnen und den Wechsel davor terminieren; auf Odoo Online zusätzlich die Pflichtfrist beachten (Odoo-Versionen und Supportdauer).
- Bestand aufnehmen: eigene Module und Studio-Anpassungen, jeweils mit dem Stand für 20.0, dazu die Wartungsgebühren abgedeckter Zusatzmodule und die Kostenpunkte, die das Upgrade nicht abdeckt (Odoo-Upgrade: Kosten und Risiken).
- Änderungsliste gegen die eigene Installation halten: Edition, installierte Apps und Menüwege, die in Anleitungen und Screenshots vorkommen.
- Testdatenbank anfordern und die betroffenen Apps durchspielen, besonders Retouren, Fertigung, Kassensystem und die Einsatzplanung.
- Vor dem Produktivlauf den Ausfall ankündigen, Rollen und Benutzerzahlen prüfen und Guthaben für die KI-Funktionen klären. Was Standard kann und was Anpassung ist, entscheidet über den Aufwand (Standard oder Anpassung).
Der Upgrade-Dienst gehört zum Enterprise-Abonnement; die Editionsunterschiede stehen im Editionsvergleich (Community oder Enterprise). Die neuen Funktionen je App stehen im Überblick zu Odoo 20 (Odoo 20: Neuerungen im Überblick).