Stücklisten in Odoo: Aufbau und Varianten
Kurz gesagt
Stücklisten legen Sie in Odoo 20.0 unter Fertigung ‣ Produkte ‣ Stücklisten an: Produkt, Menge und Stücklistentyp wählen, Komponenten je Zeile erfassen. Varianten steuern Sie über Attribute am Produkt und die Spalte Auf Varianten anwenden. Der Typ Bausatz (intern phantom) löst Baugruppen im Fertigungsauftrag in ihre Einzelteile auf.
Das Wichtigste
- Menüpfad: Fertigung ‣ Produkte ‣ Stücklisten; ohne Zusatzmodul kennt der Stücklistentyp zwei Werte: Produkt anfertigen und Bausatz. Ist die Unterauftragsvergabe (Subcontracting) in den Fertigungs-Einstellungen aktiviert, kommt der Typ Unterauftragsvergabe hinzu.
- Der Typ Bausatz trägt intern den Namen phantom und verhält sich wie eine Phantom-Stückliste: Der Fertigungsauftrag listet seine Komponenten, nicht das Bausatz-Produkt.
- Varianten entstehen aus Attributen am Produkt; die Spalte Auf Varianten anwenden ordnet jede Komponente bestimmten Varianten zu, ein leeres Feld bedeutet alle Varianten.
- Mehrere Werte desselben Attributs wirken als Oder, Werte aus unterschiedlichen Attributen als Und.
- Der Reiter Vorgänge erscheint erst, wenn das Kontrollkästchen Arbeitsaufträge unter Fertigung ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen gesetzt ist.
- Mehrstufige Stücklisten bauen Sie von unten nach oben; den Nachschub der Baugruppen steuern Nachbestellregeln mit Minimal- und Maximalbestand 0 oder die Route Auffüllung nach Auftrag (Auftragsfertigung).
Eine Stückliste in Odoo hält fest, aus welchen Komponenten in welcher Menge ein Produkt entsteht, und dient damit als Vorlage für Fertigungsaufträge und als Kostenblatt. Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie Sie eine Stückliste anlegen, wie Sie sie für ein Produkt mit Varianten aufbauen und wie der Stücklistentyp Bausatz funktioniert, der früher als Phantom-Stückliste bekannt war.
Was Sie vorab brauchen
- Die App Fertigung; sie steht laut Editionsvergleich von Odoo S.A. in Community und Enterprise zur Verfügung.
- Administratorrechte für die Konfiguration, weil zwei Einstellungen vorausgesetzt werden: die Varianten-Funktion der App Lager und das Kontrollkästchen Arbeitsaufträge in der App Fertigung.
- Die Produkte der Komponenten, angelegt unter Lager ‣ Produkte ‣ Produkte als Waren; laut Dokumentation brauchen die Komponenten keine besondere Konfiguration. Ob das Bausatz-Produkt selbst seinen Bestand verfolgt, stellen Sie am Produkt über das Kontrollkästchen Bestand verfolgen (Track Inventory) ein; die Dokumentation nennt als Entscheidungshilfe den Bedarf an Bestandsverfolgung und die Buchhaltungsanforderungen.
- Für Vorgänge mindestens ein Arbeitsplatz mit Arbeitsstunden.
- Eine Entscheidung, welche Baugruppen Sie als Bausatz führen und welche eine eigene Stückliste mit eigenem Fertigungsauftrag bekommen; die Schritte 6 und 8 behandeln beide Fälle.
Schritt für Schritt: eine Stückliste anlegen
Schritt 1: Varianten-Funktion aktivieren und Attribute anlegen
Für Produkte mit Varianten setzen Sie unter Lager ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen im Abschnitt Produkte das Kontrollkästchen Varianten und speichern Sie. Danach steht die Seite Attribute bereit, erreichbar über Lager ‣ Konfiguration ‣ Attribute. Legen Sie dort ein Attribut an, tragen Sie den Namen ein und erfassen Sie unter Attributwerte die zulässigen Werte. Für einen Wert, den Kundinnen und Kunden im Verkauf selbst eintippen dürfen, gibt es je Wert das Kontrollkästchen für benutzerdefinierte Werte. Danach zeigt die Attributliste den neuen Eintrag mit seinen Werten.
Schritt 2: Produkt mit Varianten anlegen
Öffnen Sie das Produkt unter Fertigung ‣ Produkte ‣ Produkte und klicken Sie Bearbeiten. Im Reiter Varianten fügen Sie je Zeile ein Attribut hinzu und wählen daraus die gewünschten Werte aus. Für das Beispiel dieses Artikels trägt die Arbeitsleuchte das Attribut Gehäuse mit den Werten Kunststoff und Aluminium sowie das Attribut Lichtfarbe mit den Werten Warmweiß und Neutralweiß; nach dem Speichern zeigt das Produkt vier Varianten. Produkten, die Sie fertigen und die Varianten haben, geben Sie nach der Dokumentation entweder eine Nachbestellregel mit Minimal- und Maximalbestand 0 oder die Route Auffüllung nach Auftrag (Auftragsfertigung) im Reiter Lager.
Schritt 3: Stückliste anlegen
Öffnen Sie Fertigung ‣ Produkte ‣ Stücklisten und klicken Sie Neu. Wählen Sie im Feld Produkt das Erzeugnis; das Feld Produktvariante bleibt leer, wenn die Stückliste für alle Varianten gelten soll. Tragen Sie im Feld Menge ein, wie viele Einheiten mit einer Stückliste gefertigt werden. Im Feld Referenz unterscheiden Sie mehrere Stücklisten desselben Produkts, etwa eine Standard-Ausführung und eine Ausführung mit anderem Bauteil. Stellen Sie den Stücklistentyp ein: Produkt anfertigen für ein selbst gefertigtes Erzeugnis, Bausatz für eine nur aufgelöste Zusammenstellung. Ist unter Fertigung ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen das Kontrollkästchen Unterauftragsvergabe (Subcontracting) gesetzt, steht zusätzlich der Typ Unterauftragsvergabe bereit; er kennzeichnet das Produkt als von einem Subunternehmer gefertigt und erlaubt laut Quellcode keine Vorgänge und keine Nebenprodukte. Über die Schaltfläche Stückliste am Produktformular öffnen Sie dieselben Formulare.
Schritt 4: Komponenten erfassen
Im Reiter Komponenten fügen Sie je Zeile eine Komponente hinzu und tragen die Menge ein. Die folgende Tabelle zeigt die Stückliste der Arbeitsleuchte aus dem Beispiel; alle Mengen gelten für eine Leuchte.
| Komponente | Menge | Auf Varianten anwenden |
|---|---|---|
| Leuchtmittel LED | 1 | leer (alle Varianten) |
| Gehäuse Kunststoff | 1 | Gehäuse: Kunststoff |
| Gehäuse Aluminium | 1 | Gehäuse: Aluminium |
| Befestigungssatz | 1 | leer (alle Varianten) |
Über das Einstellungssymbol am Spaltenkopf blenden Sie weitere Spalten ein, darunter Verbraucht bei Vorgang: Sie ordnet die Komponente einem bestimmten Fertigungsschritt zu und ist laut Dokumentation Grundlage für die Anzeige der Materialverfügbarkeit je Schritt.
Schritt 5: Komponenten bestimmten Varianten zuordnen
In der Spalte Auf Varianten anwenden wählen Sie die Attributwerte aus, für die die Komponente gebraucht wird; ein leeres Feld bedeutet, dass die Komponente in jede Variante gehört. Odoo wertet die Auswahl so aus: Werte desselben Attributs sind Oder-Bedingungen, Werte unterschiedlicher Attribute Und-Bedingungen. Wählen Sie im Beispiel Gehäuse: Kunststoff und Gehäuse: Aluminium sowie Lichtfarbe: Warmweiß, erhält die Komponente jede Variante mit Warmweiß-Lichtfarbe, gleich ob Kunststoff- oder Aluminiumgehäuse. Dieselbe Zuordnung steht auch an Vorgängen und, bei aktivierter Nebenprodukte-Einstellung, an Nebenprodukten.
Schritt 6: Bausatz als Baugruppe einsetzen
Der Befestigungssatz aus der Tabelle ist ein eigenes Produkt mit einer Stückliste vom Typ Bausatz, die drei Zeilen hat: 4 Schrauben M8, 2 Dübel und 1 Halterung. Beim Bestätigen eines Fertigungsauftrags für die Arbeitsleuchte löst Odoo diese Zeile auf: Der Auftrag listet Schrauben, Dübel und Halterung als Verbrauchsmaterial, und für den Befestigungssatz selbst wird keine Bestandsbewegung gebucht. Genau so verhält sich nach dem Community-Quellcode der Typ phantom, dessen Etikett im Formular Bausatz heißt; die Dokumentation beschreibt Bausätze deshalb auch als Mittel, mehrstufige Stücklisten zu organisieren.
Zwei Grenzen dieses Typs. Erstens verweigert Odoo nach dem Community-Quellcode eine Bausatz-Stückliste, wenn das Bausatz-Produkt eine Nachbestellregel hat; entfernen Sie die Regel, bevor Sie speichern. Zweitens bleibt die Auflösung nicht auf den Fertigungsauftrag beschränkt: Eine interne Umbuchung des Sets zerfällt laut Dokumentation in seine Komponenten, und beim Verkauf erscheint der Bausatz im Angebot als eine Zeile, auf dem Lieferschein dagegen jede Komponente einzeln; das Set lässt sich nicht verkaufen, wenn eine Komponente keinen Bestand hat.
Schritt 7: Vorgänge und Sonstiges ergänzen
Vorgänge erscheinen erst, wenn Sie unter Fertigung ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen das Kontrollkästchen Arbeitsaufträge setzen. Danach tragen Sie im Reiter Vorgänge je Zeile Name, Arbeitsplatz und, über die Spalte Auf Varianten anwenden, die betroffenen Varianten ein; im Beispiel läuft die Montage am Arbeitsplatz Endmontage und betrifft alle Varianten. Im Reiter Sonstiges stehen Fertigungsdurchlaufzeit in Tagen, Vorbereitungszeit und, mit der Enterprise-App PLM, die Version der Stückliste; Änderungsaufträge behandelt PLM in Odoo. Jeder Vorgang gehört genau zu einer Stückliste.
Schritt 8: Mehrstufige Stückliste aufbauen
Soll eine Baugruppe nicht als Bausatz aufgelöst, sondern wirklich gefertigt werden, geben Sie ihr eine eigene Stückliste vom Typ Produkt anfertigen. Bauen Sie mehrstufige Strukturen von unten nach oben: erst die Stücklisten der untersten Teile, dann die der Baugruppen, zuletzt die des Endprodukts, in dem die Baugruppen als Komponenten erscheinen. Damit beim Bestätigen des oberen Auftrags automatisch Fertigungsaufträge für die Baugruppen entstehen, nennt die Dokumentation zwei Wege: Nachbestellregeln mit Minimal- und Maximalbestand 0 (empfohlen, weil der Bestand nicht an einen Auftrag gebunden bleibt) oder die Routen Auffüllung nach Auftrag (Auftragsfertigung) und Fertigen im Reiter Lager der Baugruppe. Nach der Dokumentation muss die Baugruppe fertig sein, bevor der Auftrag des Endprodukts startet. Wie die Kosten je Stufe zusammenkommen, rechnet Fertigungskosten in Odoo durch.
So prüfen Sie das Ergebnis
Öffnen Sie die gespeicherte Stückliste und klicken Sie die Schaltfläche Stücklistenübersicht: Der Bericht zeigt Produkt, Komponenten, Vorgänge, Mengen und Kosten je Stufe; Unterbaugruppen falten Sie auf, um ihre Zeilen zu sehen. Legen Sie anschließend einen Test-Fertigungsauftrag an und kontrollieren Sie den Reiter Komponenten: Bei Variantenprodukten stehen dort nur die Zeilen der gewählten Variante, und der Bausatz ist durch seine Einzelteile ersetzt. Prüfen Sie im Reiter Arbeitsaufträge, dass jeder Vorgang einen Arbeitsplatz trägt, sonst lässt er sich nicht planen.
Verkaufen Sie den Bausatz zusätzlich als eigenes Produkt, gehört eine Kontrolle in den Verkaufsprozess: Der Auftrag zeigt eine Zeile, die Lieferung nach der Bestätigung drei Zeilen. Fehlt eine Komponente im Bestand, lässt sich die Lieferung nicht abschließen, obwohl der Bausatz als Produkt verfügbar erscheint.
Wenn etwas nicht klappt
| Symptom | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Reiter Vorgänge fehlt auf der Stückliste | Kontrollkästchen Arbeitsaufträge ist nicht gesetzt | Fertigung ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen, Kontrollkästchen setzen, speichern |
| Spalte Auf Varianten anwenden fehlt in den Komponenten | Spalte ausgeblendet oder Varianten-Funktion aus | Drei-Punkte-Symbol am Spaltenkopf öffnen und Spalte einblenden; nötigenfalls Lager ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen, Varianten setzen |
| Komponente landet in allen Varianten | Feld Auf Varianten anwenden ist leer | Je Zeile die gewünschten Attributwerte wählen; leer bedeutet alle Varianten |
| Fehlermeldung beim Speichern einer Bausatz-Stückliste | Das Bausatz-Produkt hat eine Nachbestellregel | Regel am Produkt entfernen; Restriktion steht im Community-Quellcode der App Fertigung |
| Set lässt sich nicht verkaufen | Eine Komponente hat keinen Bestand | Bestand je Komponente prüfen; Nachschub und Nachbestellregeln auf Komponentenebene führen, nicht auf Set-Ebene |
| Interne Umbuchung des Sets zerfällt in Zeilen | Bausatz-Zeilen werden bei Transfers in Komponenten überführt | Das Verhalten ist dokumentiert; Komponenten nachführen statt des Sets |
| Vorgang fehlt bei einer Variante | Auf Varianten anwenden am Vorgang schließt die Variante aus | Zuordnung am Vorgang prüfen und ergänzen |
Wann Sie Hilfe holen sollten
Der Stücklistenaufbau entscheidet über Bestandsführung, Kosten und Planung zugleich. Holen Sie Beratung, wenn Sie Chargen oder Seriennummern an gefertigten Einheiten führen wollen, wenn Lieferanten Komponenten beistellen oder wenn Ihre Baugruppen mehrere Ebenen mit eigenen Durchlaufzeiten haben; diese Punkte betreffen auch Chargen und Seriennummern und die Lohnfertigung. Für versionierte Konstruktionen mit Freigaben ist die PLM-App gedacht; sie gehört laut Editionsvergleich zu Enterprise. Bleibt unklar, ob ein Bausatz oder eine echte Baugruppe Ihr Fall ist, testen Sie beide Varianten in einer Testdatenbank mit je einem Fertigungsauftrag, bevor Sie Seriendaten anlegen.