Odoo Buchhaltung: Funktionen und Grenzen im Überblick
Kurz gesagt
Odoo 20.0 trennt die App Invoicing (Rechnungen, Zahlungen, Lieferantenrechnungen; Community und Enterprise) von der App Accounting (Finanzberichte, Bankabgleich, Budgets, Anlagen; laut Editionsseite nur Enterprise). Die Bankanbindung setzt ein Enterprise-Abonnement voraus. Länderfunktionen für Deutschland, Österreich und die Schweiz hängen am Lokalisierungsmodul.
Das Wichtigste
- Laut Editionsseite (13.10.2026) hat Invoicing in beiden Spalten ein Häkchen, Accounting nur in der Spalte Enterprise.
- Dokumentation 20.0: Accounting enthält zusätzlich Standard-Finanzberichte, Bankabgleich, Budgets und Anlagenverwaltung.
- Die Bankanbindung (Bank synchronization) setzt laut Dokumentation 20.0 ein gültiges Enterprise-Abonnement voraus.
- Das Community-Repository 20.0 enthält die Module l10n_de, l10n_at und l10n_ch; l10n_de_reports und l10n_de_reports_elster haben wir dort nicht gefunden.
- Das Paket der deutschen Lokalisierung lässt sich laut Dokumentation nur wechseln, solange kein Eintrag gebucht ist.
Unter „Buchhaltung“ führt Odoo zwei Apps: Invoicing und Accounting. Wer Odoo als Buchhaltungslösung prüft, muss zuerst klären, welche der beiden gemeint ist. Dieser Artikel ordnet beide für Odoo 20.0 ein und bleibt bei dem, was Dokumentation, Editionsseite und das öffentliche Community-Repository belegen.
Invoicing und Accounting: Worin sie sich unterscheiden
Die Dokumentation 20.0 beschreibt Invoicing als eigenständige App, um Rechnungen zu erstellen, an Kunden zu senden, Zahlungen zu verwalten und Lieferantenrechnungen zu bearbeiten. Accounting nennt sie eine umfassende Buchhaltungslösung, die dasselbe kann und zusätzlich Standard-Finanzberichte, Bankabgleich, Budgets, Anlagenverwaltung und mehr bietet. Die Editionsseite von odoo.com führt Invoicing und Payments in beiden Editionen, Accounting nur in Enterprise. Das Community-Repository enthält das Modul account unter dem Namen Invoicing.
Welche Funktionen in welcher Edition liegen
Die Tabelle gilt für Odoo 20.0 und hält für jede Zeile fest, woher die Angabe stammt. Wo keine Quelle die Edition nennt, steht das da.
| Funktion | Edition laut Quelle | Quelle |
|---|---|---|
| Kundenrechnungen, Zahlungen, Lieferantenrechnungen | Community und Enterprise (Invoicing) | Dokumentation 20.0, Editionsseite 13.10.2026 |
| Standard-Finanzberichte, Bankabgleich, Budgets, Anlagenverwaltung | nur Enterprise (Accounting) | Dokumentation 20.0 (App Accounting), Editionsseite 13.10.2026 |
| Bankanbindung (automatischer Import der Umsätze) | Enterprise-Abonnement erforderlich | Dokumentation 20.0, Bank synchronization |
| Digitalisierung von Lieferantenrechnungen per OCR | Editionsseite: nur Enterprise (Vendor Bill OCR unter Accounting); zusätzlich In-App-Purchase mit Guthaben, eine Digitalisierung kostet ein Guthaben | Editionsseite 13.10.2026, Dokumentation 20.0 |
| Peppol-Registrierung (Länder laut Liste, darunter Deutschland, Österreich, Schweiz) | in Odoo Community verfügbar und kostenlos | Dokumentation 20.0, Electronic invoicing |
| Mehrere Firmen und Zweige in einer Datenbank | Edition nicht genannt; Preisseite 13.10.2026: im Plan Custom enthalten und im Tarif „Eine App gratis“ möglich; auf dem Plan Standard löst es laut Dokumentation einen Upsell auf Custom aus | Dokumentation 20.0 (Accounting and Invoicing, Multi-company), Preisseite |
| Zugang für die externe Steuerberatung | Odoo Online: kostenfrei, wenn die Steuerberatung ein Odoo-Konto mit derselben E-Mail-Adresse hat; Odoo.sh und On-Premise: möglicherweise Kosten je Benutzer | Dokumentation 20.0, Accounting and Invoicing |
Was die Lokalisierung für Deutschland, Österreich und die Schweiz abdeckt
Länderfunktionen kommen aus Lokalisierungsmodulen. Die Dokumentation 20.0 nennt je Land Module; die letzte Spalte zeigt, ob das Modul im öffentlichen Community-Repository (Branch 20.0, Verzeichnis addons) liegt. „Nicht gefunden“ heißt, dass unter diesem Pfad keine Moduldatei liegt. Welche Edition ein solches Modul liefert, nennt die Dokumentation nicht; die Editionsseite führt Localizations und Reports unter Accounting (nur Enterprise).
| Land | Modul (Technical name) | Inhalt laut Dokumentation oder Modulbeschreibung | Im Community-Repository 20.0 |
|---|---|---|---|
| Deutschland | l10n_de | Kontenrahmen SKR03 oder SKR04, Steuern, Steuerzuordnung; Audit Trail standardmäßig aktiv | gefunden |
| Deutschland | l10n_de_reports | deutsche Berichte, DATEV-Export im Hauptbuch | nicht gefunden |
| Deutschland | l10n_de_reports_elster | Übermittlung der Umsatzsteuer-Voranmeldung über Elster (manuell zu installieren) | nicht gefunden |
| Österreich | l10n_at | Einheitskontenrahmen 2010, Steuern, Steuerzuordnung, Steuerberichte U1 und U30 | gefunden |
| Österreich | l10n_at_reports, l10n_at_saft | lokalisierte Finanzberichte, SAF-T-Export | nicht gefunden |
| Schweiz | l10n_ch | Kontenrahmen, Steuern, QR-Rechnung | gefunden |
Für die Schweiz nennt die Dokumentation außerdem den Druck von Einzahlungsscheinen mit Referenznummer (ISR), das Schweizer ISO-20022-Format für Zahlungsdateien und den automatischen Wechselkursabruf der Eidgenössischen Steuerverwaltung.
Wo die Grenzen liegen
- Das Paket der Fiscal Localization lässt sich laut Dokumentation 20.0 nur wechseln, solange kein Eintrag gebucht ist. Für Deutschland nennt die Dokumentation zusätzlich: Ist ein Eintrag gebucht, sind ein neues Unternehmen oder eine neue Datenbank und eine erneute Erfassung nötig.
- Zweige übernehmen Kontenrahmen, Hauptwährung, Steuern und Lokalisierungspaket der Muttergesellschaft. Unternehmen in verschiedenen Ländern gehören daher als eigene Unternehmen angelegt, nicht als Zweige.
- Ein Versions-Upgrade deckt den Wechsel der Edition nicht ab; ein späterer Wechsel von Community auf Enterprise ist eine eigene Umstellung (Community oder Enterprise).
- Dienste mit In-App-Purchase (etwa die OCR-Digitalisierung) verbrauchen vorab gekaufte Guthaben und sind keine Pauschale im Plan.
- Ob die Funktionen die Anforderungen Ihrer Buchführung erfüllen, prüft Ihre Steuerberatung; die Dokumentation sagt dazu nichts Allgemeingültiges.
So prüfen Sie, ob Odoo-Buchhaltung für Sie reicht
- Schreiben Sie auf, welche Buchhaltungsaufgaben in Odoo liegen sollen: nur Rechnungen und Zahlungen, oder Finanzberichte, Bankabgleich und Anlagen.
- Ordnen Sie jede Aufgabe der Tabelle oben zu und markieren Sie, was Enterprise verlangt.
- Legen Sie fest, welches Land und welches Lokalisierungsmodul gilt, und prüfen Sie im Angebot, welche der Länderfunktionen darin enthalten sind: DATEV-Export, Voranmeldung über Elster, E-Rechnung.
- Klären Sie mit Ihrer Steuerberatung, in welcher Form diese Daten bekommt.
- Testen Sie Kontenrahmen, Steuern und einen Beispielmonat in einer Testdatenbank, bevor die erste Buchung im Echtbetrieb erfolgt.