Hardware für die Odoo-Kasse: Drucker, Scanner, Terminal
Kurz gesagt
Odoo 20.0 bindet Bondrucker, Barcodescanner, Kassenschublade, Kundenanzeige, Waage, Kartenterminal und elektronische Regaletiketten an die Kasse. Zwei Wege gibt es: direkt am Kassenrechner beziehungsweise aus dem Browser über das lokale Netz (ePOS und Local Network Access, Chromium ab Version 142) — oder über ein IoT-System. Ein Bondrucker gehört nur dazu, wenn er ePOS im Netzwerk spricht, am IoT-System hängt oder im iMin-Kassenterminal integriert ist. Bluetooth-Drucker sind laut Dokumentation nicht kompatibel; die App IoT führt der Editionsvergleich nur in Enterprise.
Das Wichtigste
- App Kassensystem: Community und Enterprise; App IoT laut Editionsvergleich nur Enterprise.
- Bondrucker erreicht die Kasse als ePOS-Gerät im Netzwerk ohne IoT-System direkt aus dem Browser (feste IP-Adresse nötig) oder über ein IoT-System; in den iMin-Kassenterminals Swan 2 und Falcon 2 ist der Belegdruck integriert (ohne IoT-System), der Falcon 2 druckt Belege nur mit dem Basisgerät in der Dockingstation; Bluetooth-Drucker sind laut Dokumentation nicht kompatibel.
- Waage und USB-Barcodescanner können direkt am Kassenrechner hängen; Scanner müssen jeden Code mit einem Enter-Zeichen abschließen.
- Kundenanzeige: zweiter Bildschirm über USB-C oder HDMI am Kassenrechner, micro-HDMI an der IoT-Box oder QR-Code; mindestens 6 Zoll Diagonale.
- Deutschland: zertifizierte TSE ist Pflicht (§ 146a Abs. 1 AO); die Odoo-Lösung ist cloudbasiert.
- Geräte im lokalen Netz arbeiten bei Internetausfall weiter; Kartenterminals nicht.
Ein Kassensystem ist Software und Gerät zugleich. Welche Geräte an der Odoo-Kasse arbeiten, entscheidet weniger die Marke als der Anschluss: Odoo 20.0 dokumentiert zwei Wege — den Anschluss direkt am Kassenrechner beziehungsweise aus dem Browser über das lokale Netz und den Anschluss an ein IoT-System. Beide Wege haben Bedingungen, und für einige Geräteklassen ist nur einer davon beschrieben; die iMin-Kassenterminals bringen den Belegdruck dagegen im Gerät mit.
Worauf es ankommt
Der direkte Weg kommt ohne IoT-System aus und hat zwei Formen. Die eine hängt am Kassenrechner selbst: Eine Waage verbinden Sie mit einem USB-Kabel direkt mit dem Gerät, auf dem die Odoo-Datenbank läuft, eine Kundenanzeige ist ein zweiter Bildschirm über USB-C oder HDMI, und USB-Barcodescanner gehören an einen festen Rechner. Die andere Form läuft über das lokale Netz: Bondrucker, die das ePOS-Protokoll unterstützen und im Netzwerk hängen, erreicht die Kasse direkt aus dem Browser. Dafür tragen Sie je Drucker den Typ IP address mit seiner IP-Adresse ein (Kassensystem ‣ Konfiguration ‣ Drucker; Point of Sale ‣ Configuration ‣ Printers) und aktivieren die Option Use Local Network Access. Der Drucker muss im HTTP-Modus arbeiten und eine feste IP-Adresse haben, sonst wird er unerreichbar; die Adresse stellt der Router bereit.
Den Zugriff auf das lokale Netz erlaubt der Browser nur nach Zustimmung. Diese Sperre heißt Local Network Access (LNA); nach der Dokumentation steht sie ab Chromium 142 in den meisten Chromium-Browsern zur Verfügung, darunter Google Chrome, Brave, Microsoft Edge, Vivaldi und Opera. Damit die Kasse LNA nutzt, legen Sie im Entwicklermodus unter Einstellungen ‣ Technisch ‣ Systemparameter den Parameter point_of_sale.use_lna mit dem Wert True an.
Der zweite Weg führt über ein IoT-System. Die Dokumentation unterstützt zwei Bauformen: die IoT-Box, einen fertigen Mikrorechner mit vorinstalliertem IoT-Programm, und das Windows Virtual IoT auf einem Windows-Rechner. Angeschlossene Geräte erkennt das System selbst und listet sie in der App IoT unter Geräte (IoT ‣ Devices); in der Kasse wählen Sie unter Einstellungen ‣ Connected Devices das jeweilige Gerät aus. Mehrere IoT-Systeme gleichzeitig sind zulässig. Fertigungsgeräte wie Kameras und Messwerkzeuge sind am Windows Virtual IoT nicht kompatibel. Die IoT-Box hängt per Ethernet oder WLAN im selben Netz wie die Geräte und darf nicht aus dem offenen Internet erreichbar sein; für den Produktiveinsatz und für das HTTPS-Zertifikat ist nach der Dokumentation ein IoT-Box-Abonnement erforderlich.
Einen dritten Weg für den Belegdruck beschreibt die Anleitung gesondert, ebenfalls ohne IoT-System: die iMin-Kassenterminals Swan 2 und Falcon 2 sind Android-Geräte, die Kassenfunktion und Drucker in einem Gerät verbinden und über Ethernet oder WLAN am Netz hängen. Sie laufen mit der aktuellen iMinOS-Version und den Apps Odoo und Android System WebView; in der Datenbank ist das Modul POS iMin zu installieren. Der Falcon 2 druckt Belege nur, wenn das Basisgerät in der Dockingstation steckt; Zubereitungsaufträge druckt Odoo auf iMin-Geräten nicht.
Die Geräteklassen und ihr Anschluss
Die Tabelle nennt je Geräteklasse den Verbindungsweg und die Bedingung, die die Dokumentation von Odoo 20.0 dazu nennt; ohne IoT-System heißt dabei am Kassenrechner, im iMin-Kassenterminal oder aus dem Browser über das lokale Netz.
| Geräteklasse | Verbindung | Bedingung laut Dokumentation |
|---|---|---|
| Bondrucker, ePOS im Netzwerk | Ethernet oder WLAN, direkt aus dem Browser | HTTP-Modus und feste IP-Adresse; LNA ab Chromium 142 |
| Bondrucker, ePOS mit USB oder ESC/POS | USB oder Netzwerk am IoT-System | IoT-System nötig; Bluetooth-Drucker sind nicht kompatibel |
| Kassenterminal iMin (Swan 2, Falcon 2) | Ethernet oder WLAN | iMinOS mit den Apps Odoo und Android System WebView und dem Modul POS iMin; Belegdruck nur mit dem Basisgerät in der Dockingstation (Falcon 2); Zubereitungsaufträge druckt Odoo darauf nicht |
| Barcodescanner | USB am Kassenrechner oder am IoT-System | muss jeden Code mit einem Enter-Zeichen (Keycode 28) abschließen |
| Kassenschublade | RJ25 am Bondrucker | wird über den Drucker angesteuert |
| Kundenanzeige | USB-C oder HDMI am Kassenrechner, micro-HDMI an der IoT-Box oder QR-Code im Netz | beide Bildschirme mindestens 6 Zoll Diagonale |
| Waage | USB direkt am Kassenrechner oder am IoT-System | in EU-Mitgliedstaaten ist nach der Dokumentation die Zertifizierung als integriertes Gerät rechtlich erforderlich; unabhängig davon verlangt Odoo in der Datenbank kg und mindestens drei Nachkommastellen |
| Kartenterminal | Anschluss je Anbieter: SIX über das IoT-System, Adyen ohne IoT-System | SIX verlangt einen Raspberry Pi oder das Windows Virtual IoT |
| Elektronische Regaletiketten | Pricer-Plattform über eine Schnittstelle | Modul pos_pricer; der Pricer-Zugang muss API-Aufrufe erlauben |
Der Editionsvergleich von Odoo führt die App Kassensystem (Point of Sale) in Community und Enterprise, die App IoT dagegen nur in Enterprise. Die einzelnen Hardwareseiten der Dokumentation sind nicht nach Edition gekennzeichnet; prüfen Sie deshalb vor dem Kauf die Edition Ihrer Datenbank und den Anschlussweg in einem Testsystem. Welche Zertifikate und welche Rechnungsdaten Ihre Kasse liefern muss, hängt an der Lokalisierung.
Ein Beispiel aus dem Laden
Ein Ladengeschäft mit einer Kasse richtet Folgendes ein: einen ePOS-Bondrucker im Ethernet mit fester IP-Adresse und aktivem LNA, die Kassenschublade am RJ25-Anschluss des Druckers, einen USB-Barcodescanner mit Enter-Suffix am Kassenrechner und eine Kundenanzeige über HDMI. Die Waage hängt per USB an einer IoT-Box im Netz; in der Datenbank sind für sie die Mengeneinheit Kilogramm und mindestens drei Nachkommastellen eingestellt, wie es die Dokumentation verlangt.
Drei Geräte erreicht die Kasse damit ohne IoT-System — den ePOS-Drucker aus dem Browser sowie Barcodescanner und Kundenanzeige am Kassenrechner; die Kassenschublade hängt am Drucker, und nur die Waage läuft über das IoT-System. Fällt das Internet aus, druckt der Bon und die Waage wiegt weiter, solange sich am lokalen Netz nichts ändert; das Kartenterminal nimmt in dieser Zeit keine Zahlung an.
Typische Fehler
- Bluetooth-Drucker gekauft. Die Dokumentation nennt sie ausdrücklich als nicht kompatibel. Ein Bondruck für die Odoo-Kasse ist entweder ein ePOS-Gerät im Netzwerk, ein ePOS- oder ESC/POS-Gerät am IoT-System oder der in ein iMin-Kassenterminal integrierte Drucker.
- Scanner ohne Enter-Zeichen bestellt. Am IoT-System muss der Scanner jeden Barcode mit einem Enter-Zeichen (Keycode 28) abschließen, sonst verarbeitet die Kasse den Code nicht; die Dokumentation geht davon aus, dass das die Voreinstellung ist.
- LNA ohne feste IP-Adresse. Der Drucker verschwindet nach dem nächsten Adresswechsel aus dem Netz. Die feste Adresse stellen Sie am Router ein.
- Waage ohne Zertifizierung angeschlossen. Die Dokumentation verlangt in EU-Mitgliedstaaten eine Zertifizierung des integrierten Geräts; das ist eine rechtliche Anforderung an das Gerät. Davon getrennt steht die Konfiguration in Odoo: Die Datenbank muss die Mengeneinheit kg mit mindestens drei Nachkommastellen führen, sonst erscheint ein rotes Warnsymbol, das die Korrektur vorschlägt.
- Worldline-Terminal bestellt. Terminals von Worldline sind mit der SIX-Anbindung unvereinbar, weil die Firmware abweicht, obwohl beide Anbieter dieselben Geräte nutzen. Worldline und Axepta BNP Paribas sind laut Dokumentation ohnehin nur in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg verfügbar.
- Zubereitungsbons an einem iMin-Gerät. Die Dokumentation schließt den Druck von Zubereitungsaufträgen auf iMin-Kassenterminals aus.
Was rechtlich an der Hardware hängt
In Deutschland gilt: Wer aufzeichnungspflichtige Geschäftsvorfälle mit einem elektronischen Aufzeichnungssystem erfasst, muss dieses durch eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung schützen, die aus Sicherheitsmodul, Speichermedium und einer einheitlichen digitalen Schnittstelle besteht (§ 146a Abs. 1 AO). Die Pflicht gilt erstmals für Kalenderjahre nach dem 31. Dezember 2019, also seit 1. Januar 2020 (Art. 97 § 30 Abs. 1 Satz 1 EGAO). Die deutsche Lokalisierung von Odoo bindet nach der Dokumentation eine cloudbasierte TSE ein und setzt dafür eine funktionierende Internetverbindung voraus. Für die Einzelheiten siehe Odoo-Kasse und TSE in Deutschland.
In Österreich besteht die Registrierkassenpflicht ab einem Jahresumsatz von 15.000 Euro je Betrieb, sofern die Barumsätze 7.500 Euro im Jahr übersteigen (§ 131b Abs. 1 Z 2 BAO); nach der Auslegung des BMF sind beide Beträge Nettobeträge (BMF-AV Nr. 175/2026 vom 29. September 2026, Abschnitt 3.8.1). Die Pflicht beginnt nicht schon mit dem Überschreiten der Grenzen: Sie gilt mit Beginn des viertfolgenden Monats nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem die Grenzen erstmals überschritten wurden (§ 131b Abs. 3 BAO), und fällt mit Beginn des nächstfolgenden Kalenderjahres weg, wenn die Grenzen in einem Folgejahr nicht mehr überschritten werden und absehbar ist, dass sie auch künftig nicht überschritten werden. Ist ein Betrieb betroffen, hat er sein elektronisches Aufzeichnungssystem durch eine technische Sicherheitseinrichtung zu schützen und die Unveränderbarkeit jedes Barumsatzes über eine Signatur- oder Siegelerstellungseinheit zu gewährleisten (§ 131b Abs. 2 BAO); auch dort nennt die Dokumentation eine cloudbasierte Anbindung über das Modul l10n_at_pos. Die Einzelheiten stehen unter Registrierkassa in Österreich mit Odoo.
Für Deutschland kommt bei Waagen das Messrecht hinzu: Messgeräte dürfen nur in Verkehr gebracht werden, wenn eine Konformitätsbewertung durchgeführt wurde und eine Konformitätserklärung vorliegt (§ 6 Abs. 3 MessEG); verwendet werden dürfen nur Messgeräte, die dem Mess- und Eichgesetz und den darauf beruhenden Rechtsverordnungen entsprechen (§ 31 Abs. 1 MessEG). Die Schweizer Lokalisierungsseite der Dokumentation enthält keinen Abschnitt zum Kassensystem und nennt keine Signatur- oder Siegelerstellungseinheit.
So gehen Sie vor
- Notieren Sie je Geräteklasse den Anschlussweg aus der Tabelle, bevor Sie bestellen; bei Druckern entscheidet die Frage, ob das Gerät ePOS im HTTP-Modus kann oder ob ein iMin-Kassenterminal mit integriertem Belegdruck infrage kommt, bei Waage, Kundenanzeige und Scanner, ob sie direkt am Kassenrechner hängen können.
- Prüfen Sie Ihre Edition im Editionsvergleich und Ihre Datenbank in einem Testsystem. Für ein IoT-System brauchen Sie die App IoT und das Abonnement.
- Richten Sie das Netz ein: feste IP-Adressen für ePOS-Drucker, IoT-Box im selben Netz, kein Zugang aus dem Internet.
- Im Entwicklermodus: Systemparameter point_of_sale.use_lna auf True setzen, dann im Laden unter Kassensystem ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen die Geräte und Drucker mit Typ und Adresse eintragen. Den Aufbau der Kasse selbst beschreibt Odoo-Kasse einrichten.
- Machen Sie einen Testverkauf mit Belegdruck, Waage und Kartenzahlung und prüfen Sie, ob die Belege die Angaben der Lokalisierung tragen.