Odoo für kleine Unternehmen: Wann es passt
Kurz gesagt
Für fünf bis zehn Mitarbeitende passt Odoo, sobald mehr als ein Ablauf in einem System zusammenlaufen soll, etwa Verkauf, Rechnung und Buchhaltung. Reicht eine einzige App, trägt der Gratis-Tarif mit unbegrenzten Benutzern, aber nur auf Odoo Online; sonst gilt bei jährlicher Abrechnung der Tarif Standard, ebenfalls nur auf Odoo Online, ab 19,90 Euro je Benutzer und Monat im ersten Jahr (Rabatt zwölf Monate, für anfänglich bestellte Nutzer) und 24,90 Euro zum Listenpreis. Die volle Buchhaltung mit Länderlokalisierung führt Odoos Editionsvergleich nur in Enterprise (Stand 14. Oktober 2026).
Das Wichtigste
- Tarif Eine App Gratis: 0 Euro, eine einzige App, unbegrenzte Benutzer, nur auf Odoo Online; die für die gewählte App notwendigen verknüpften Apps kommen gratis dazu, erst weitere selbst installierte Apps führen in den Tarif Standard.
- Standard enthält alle Apps und läuft nur auf Odoo Online; Custom erlaubt zusätzlich Odoo.sh, eigenes Hosting, Odoo Studio, KI-Agenten, kundenspezifische Entwicklungen, mehrere Firmen und die externe API.
- Preis je Benutzer und Monat bei jährlicher Abrechnung, ohne Steuern: Standard 19,90 Euro im ersten Jahr und 24,90 Euro danach, Custom 35,90 und 44,90 Euro; den Erstjahresrabatt begrenzt die Fußnote der Preisseite auf zwölf Monate für anfänglich bestellte Nutzer.
- Die Buchhaltung mit Länderlokalisierung führt der Editionsvergleich von Odoo nur in Enterprise; die Rechnungsstellung in beiden Editionen; für Deutschland liegt der Kontenrahmen nach SKR03 oder SKR04 samt voreingeschaltetem Prüfpfad im öffentlichen Community-Modul l10n_de.
- Light-Benutzer nennt die Preisseite mit 7,90 Euro je Monat für einen festen Funktionskatalog (Abwesenheiten, Spesen, Beurteilungen, Anwesenheiten, Empfehlungen, Planung, Außendienst, Barcode-Bediener, Lesen der Wissensdatenbank; als Mitarbeiter Gehaltsabrechnung abrufen, Kassensystem, Fertigungswerkstatt); Zeiterfassung gehört nicht dazu. Die Lizenz vergibt Odoo laut derselben Seite über einen Beratungstermin.
- Einführung mit fremder Hilfe: Success Pack Starter mit 4 Beraterstunden, Neukundenpreis 499 Euro (Stand 14. Oktober 2026).
Ob Odoo in einem Betrieb mit fünf bis zehn Beschäftigten trägt, entscheidet nicht die Kopfzahl, sondern die Zahl der Abläufe, die dieselben Daten führen sollen. Wer nur Rechnungen schreibt, kommt mit einer einzigen App im Gratis-Tarif aus. Sobald Verkauf, Lager und Buchhaltung zusammenlaufen sollen, braucht der Betrieb mehrere Apps, also mindestens den Tarif Standard, und für die Buchhaltung mit Lokalisierung die Enterprise-Edition.
Worauf es bei fünf bis zehn Mitarbeitenden ankommt
Odoo rechnet die Lizenz nach Benutzern, nicht nach Beschäftigten. Zahlend ist laut Preisseite, wer im Backend Dokumente erstellen, ansehen oder bearbeiten darf; ein aktiver Mitarbeiterdatensatz ohne verknüpftes Benutzerkonto zählt ebenfalls. Kunden und Lieferanten im Portal zählen nicht. Für diese Mitarbeiterdatensätze und für Benutzerkonten mit eingeschränktem Umfang nennt dieselbe Seite den Light-Benutzer-Tarif zu 7,90 Euro je Monat mit einem festen Funktionskatalog: Als Benutzer Meine Abwesenheiten, Meine Spesen, Meine Beurteilungen, Meine Anwesenheiten, Meine Empfehlungen, Meine Planung, Außendienst, den Barcode-Bediener für Lagerbestände und Lesezugriff auf die Wissensdatenbank, als Mitarbeiter das Abrufen von Gehaltsabrechnungen, die Nutzung des Kassensystems und der Fertigungswerkstatt. Die Zeiterfassung steht nicht auf dieser Liste; Mitarbeitende, die Zeiten erfassen, führt die Seite als Beispiel zahlender Benutzer. Die Light-Benutzer-Lizenz vergibt Odoo über einen Beratungstermin mit einem Odoo-Berater.
Die zweite Größe ist die Zahl der Abläufe. Jeder Ablauf braucht eine App. Die App, die Sie im Gratis-Tarif wählen, bringt die für sie notwendigen verknüpften Apps gratis mit; erst eine weitere App, die Sie darüber hinaus installieren, führt in den Tarif Standard. Das Abonnement schließen Sie mit Odoo S.A.; einen Partner können Sie hinzunehmen, müssen es aber nicht.
Alle Beträge dieses Artikels stammen von den deutschsprachigen Preisseiten von odoo.com, gelesen am 14. Oktober 2026, und verstehen sich ohne Steuern (Ziffer 5.3 des Abonnementvertrags, Version 13 vom 24. September 2026). Das ist der Stand der Liste, kein Angebot. Die geöffnete Seite nennt die Beträge in Euro und sagt nichts über Franken-Beträge für Kunden in der Schweiz; Währung, Steuern und Rabatte klärt Ihr Angebot.
Die Schwellen im Überblick
Die Tabelle ordnet die drei Größen Prozesse, Nutzer und Budget und nennt je Zeile, was daraus folgt.
| Bereich | Schwelle | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Prozesse | genau ein Ablauf in einer App, etwa Rechnungen schreiben | Tarif Eine App Gratis: 0 Euro, unbegrenzte Benutzer, nur Odoo Online |
| Prozesse | weitere App installieren, etwa Einkauf neben dem Lager | Tarif Standard mit allen Apps, nur auf Odoo Online |
| Prozesse | eigene Entwicklungen oder Odoo Studio, mehrere Firmen in einer Datenbank, externe API oder eigener Server | Tarif Custom; auf Odoo.sh kommt die Hostingrechnung dazu |
| Nutzer | Beschäftigte, die nur die Light-Funktionen nutzen (Abwesenheiten, Spesen, Anwesenheiten, Planung, Außendienst, Barcode-Bediener, Kassensystem, Fertigungswerkstatt) | Light User zu 7,90 Euro je Monat, Vergabe über einen Beratungstermin |
| Nutzer | fünf Benutzer mit Backend-Zugriff | 19,90 Euro je Benutzer und Monat im ersten Jahr, jährliche Abrechnung (Beispielrechnung) |
| Budget | Einführung mit fremder Hilfe | Success Pack Starter mit 4 Beraterstunden, Neukundenpreis 499 Euro |
| Budget | zweites Jahr | Erstjahresrabatt entfällt; bei der Verlängerung Erhöhung um bis zu 7 Prozent je Jahr der vorherigen Laufzeit, wenn die bisherigen Entgelte unter dem aktuellen Listenpreis liegen (Ziffer 5.2) |
| Budget | Datenbank auf einer Version älter als die drei neuesten Hauptversionen | einmal im Jahr 25 Prozent Zuschlag (Ziffer 5.1) |
Der Gratis-Tarif umfasst eine einzige App. Die für sie notwendigen verknüpften Apps zählt Odoo gratis dazu: Wer den E-Commerce wählt, erhält Website und Rechnungsstellung mit. Erst wenn Sie darüber hinaus eine weitere App installieren, gilt der Tarif Standard; Odoo Studio in einer Datenbank mit weiteren Apps oder weitere Unternehmen in derselben Datenbank schalten nach der Wechsel-FAQ der Preisseite automatisch auf Custom.
Die kleinste App-Kombination für einen Betrieb mit fünf Personen
Für ein Unternehmen dieser Größe genügt eine schmale Auswahl. Die Tabelle nennt je App den Zweck und die Edition; die Zuordnung folgt dem Editionsvergleich von Odoo, die Kontakte-App führt er nicht und sie gehört als Modul contacts (Version 20.0) zum Community-Paket.
| App | Zweck | Edition |
|---|---|---|
| Kontakte (Contacts) | eine Stammliste für Kunden und Lieferanten | Community (Modul contacts) |
| Verkauf (Sales) | von der Offerte über den Auftrag bis zur Lieferung | Community und Enterprise |
| Rechnungsstellung (Invoicing) | Kundenrechnungen, Zahlungen, Lieferantenrechnungen | Community und Enterprise |
| Buchhaltung (Accounting) | Hauptbuch, Bankabgleich, Steuerberichte, Lokalisierung | laut Editionsvergleich nur Enterprise |
| Lager (Inventory) | Bestand, Lieferungen, Nachschub | Community und Enterprise |
| Einkauf (Purchase) | Anfragen, Bestellungen, Lieferantenpreise | Community und Enterprise |
| Projekte und Zeiterfassung (Project, Timesheets) | Aufgaben, Stunden, Abrechnung nach Aufwand | Community und Enterprise |
| Kassensystem (Point of Sale) | Laden- und Restaurantkasse | Community und Enterprise |
Die kleinste Kombination für einen Dienstleister mit fünf Personen sind Kontakte, Verkauf, Rechnungsstellung und Buchhaltung; ein Handelsbetrieb ergänzt Lager und Einkauf, ein Projektgeschäft Projekte und Zeiterfassung. Führt Ihre Steuerberatung die Buchhaltung und schreiben Sie nur Rechnungen, reicht die Rechnungsstellung als einzige App im Gratis-Tarif.
Zwei Einschränkungen des Editionsvergleichs betreffen den Alltag: Die Barcode-App steht dort nur in der Enterprise-Spalte, und für das Kassensystem nennt die Dokumentation in Deutschland einen Cloud-Dienst, der eine Internetverbindung braucht; für Österreich beschreibt sie ebenfalls einen Cloud-Dienst.
Ein Rechenbeispiel für fünf Nutzer
Beispielrechnung mit erfundenen Annahmen: fünf Backend-Benutzer, Tarif Standard, Hosting auf Odoo Online, jährliche Abrechnung, keine Light User, keine Anpassungen, Preise vom 14. Oktober 2026, ohne Steuern.
| Zeile | Erstes Jahr | Ab dem zweiten Jahr |
|---|---|---|
| Lizenz, 5 Benutzer | 1.194,00 Euro (5 × 19,90 × 12) | 1.494,00 Euro (5 × 24,90 × 12) |
| Hosting Odoo Online | 0,00 Euro, im Tarif enthalten | 0,00 Euro |
| Einführung, Success Pack Starter | 499,00 Euro, Neukundenpreis | 0,00 Euro |
| Summe | 1.693,00 Euro | 1.494,00 Euro |
Im ersten Jahr kostet Odoo damit 1.693,00 Euro, ab dem zweiten Jahr 1.494,00 Euro, solange der Umfang gleich bleibt und der Erstjahresrabatt entfällt. Im Gratis-Tarif wären es 0 Euro, aber nur für eine App. Monatlich abgerechnet kostet derselbe Umfang im ersten Jahr 24,90 Euro je Benutzer, also 124,50 Euro je Monat. Eigene Entwicklungen, Odoo Studio, KI-Agenten, mehrere Firmen in einer Datenbank und die externe API verlangen den Tarif Custom zu 35,90 Euro je Benutzer und Monat im ersten Jahr; auf Odoo.sh kostet das Hosting zusätzlich 60,00 Euro je Worker und Monat, bei jährlicher Abrechnung 48,00 Euro. Als Anhaltspunkt für die Größe empfiehlt der Konfigurator in seinen Hilfetexten einen zusätzlichen Worker je 25 Backend-Benutzer und je 5.000 Frontend-Besucher pro Tag sowie zu Beginn 1 GB Speicher je Benutzer; nur bis 16 Worker und 512 GB Speicher sind direkt einstellbar, darüber hinaus verweist der Konfigurator auf eine Kontaktaufnahme.
Was die Länderlokalisierung mitbringt
Die volle Buchhaltung mit Länderlokalisierung führt der Editionsvergleich nur in Enterprise; die Rechnungsstellung steht in beiden Spalten. Für Deutschland liegt der Kontenrahmen nach SKR03 oder SKR04 samt standardmäßig eingeschaltetem Prüfpfad für die GoBD dagegen im öffentlichen Community-Repository als Modul l10n_de (Version 20.0), das auf dem Community-Modul account aufsetzt. Die Dokumentation zu Odoo 20.0 beschreibt je Land ein eigenes Paket.
| Land | Was das Lokalisierungspaket nach der Dokumentation 20.0 mitbringt |
|---|---|
| Deutschland | Kontenrahmen SKR03 oder SKR04, voreingeschalteter Prüfpfad für die GoBD, Umsatzsteuer-Voranmeldung über Elster, DATEV-Export aus dem Hauptbuch, Zertifizierungsmodul für das Kassensystem |
| Österreich | Buchhaltungspaket mit Berichten für Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (§ 224 und § 231 UGB), SAF-T-Export, RKSV-Konformität für das Kassensystem |
| Schweiz | Einzahlungsscheine (ISR), Schweizer ISO-20022-Format für Zahlungen, Abgleich der Wechselkurse über die Eidgenössische Steuerverwaltung |
Drei Pflichten stehen hinter den Paketen. Die Ordnungsvorschriften für die Buchführung stehen in § 146 der Abgabenordnung (AO); die deutsche Lokalisierung schaltet dafür den Prüfpfad (Audit Trail) standardmäßig ein. Wer mit einem elektronischen oder computergestützten Kassensystem oder einer Registrierkasse kassiert, muss es nach § 146a Abs. 1 AO mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung schützen; elektronische Buchhaltungsprogramme nimmt § 1 Abs. 1 KassenSichV davon aus. In Österreich hängt die Registrierkassenpflicht an den Umsatzgrenzen des § 131b Abs. 1 Z 2 der Bundesabgabenordnung (BAO); die Registrierkassensicherheitsverordnung (RKSV) regelt die technischen Einzelheiten. Ob Ihr Betrieb betroffen ist, klären Sie mit Ihrer Steuerberatung.
Typische Fehler
- Alle Beschäftigten erhalten ein Backend-Konto. Jedes dieser Konten kostet; prüfen Sie zuerst, ob die Person nur die Light-Funktionen der Preisseite braucht — Zeiterfassung gehört nicht dazu.
- Der Erstjahresrabatt wird als Dauerpreis gerechnet. Die Fußnote der Preisseite begrenzt ihn auf zwölf Monate und auf anfänglich bestellte Nutzer.
- Die vollständige Buchhaltung wird in der Community-Version erwartet. Der Editionsvergleich führt die Buchhaltung mit Hauptbuch, Abstimmung der Kontoauszüge, Berichten und Lokalisierung nur in Enterprise; Community bringt die Rechnungsstellung und mit l10n_de den deutschen Kontenrahmen samt Prüfpfad.
- Eigene Module werden ohne Hostingentscheidung geplant. Custom und Odoo.sh kommen getrennt in die Rechnung.
- Die Einführung wird allein aus dem Tagesgeschäft gestemmt. Odoo verkauft dafür Success Packs mit Beraterstunden.
- Die Datenbank bleibt auf einer alten Version stehen. Ziffer 5.1 rechnet dann einmal im Jahr 25 Prozent Zuschlag.
So gehen Sie vor
- Schreiben Sie die Abläufe auf, die dieselben Artikel- und Kundendaten führen sollen; die Vorlage steht unter Anforderungen sammeln.
- Zählen Sie die Benutzer nach der Definition der Preisseite und prüfen Sie je Person, ob die Light-Funktionen der Preisseite ausreichen; Zeiterfassung gehört nicht dazu (siehe Light User).
- Starten Sie eine Testdatenbank mit der kleinsten Kombination und prüfen Sie die Lokalisierung Ihres Landes, vor allem die Buchhaltung.
- Lassen Sie Erstjahr und Folgejahr getrennt ausweisen, mit Steuern, Einführung und einem möglichen Hosting.
- Entscheiden Sie Edition und Hosting; die Unterschiede stehen unter Community oder Enterprise und in den Hosting-Optionen im Überblick.
- Rechnen Sie die Gesamtkosten für Ihre Nutzerzahl nach, wie unter Odoo-Gesamtkosten rechnen beschrieben, und beziehen Sie die Steuerberatung ein.