Odoo wachsen lassen: Von 5 auf 200 Nutzer
Kurz gesagt
Wächst der Betrieb, ändern sich in Odoo vier Dinge: die Zahl der bezahlten Benutzerkonten, die Zahl der Firmen in derselben Datenbank, die Zahl der Lagerhäuser und die Hostingart. Ein zweites Unternehmen in derselben Datenbank schaltet den Tarif Standard automatisch auf Custom; für Datenbanken im Tarif Eine App Gratis gilt das laut Dokumentation 20.0 nicht. Für die Größe eines selbst betriebenen Servers zählen die gleichzeitig arbeitenden Nutzer, nicht die Konten. Stand 14. Oktober 2026.
Das Wichtigste
- Mit dem Wachstum steigen Benutzerkonten, Firmen und Lagerhäuser; auch die Hostingart kann wechseln.
- Ein zweites Unternehmen in derselben Datenbank löst im Tarif Standard automatisch den Wechsel zu Custom aus.
- Für Datenbanken im Tarif Eine App Gratis gilt dieser Wechsel laut Dokumentation 20.0 nicht.
- Ein Worker trägt laut On-Premise-Dokumentation rund sechs gleichzeitige Nutzer; die Prozesszahl folgt der Faustregel Prozessorkerne mal zwei plus eins einschließlich Cron-Worker.
- Für jede weitere Firma legt Odoo kein Lagerhaus automatisch an.
- Portalnutzer sind laut Preisseite keine zahlenden Benutzer; Light-Benutzer nennt die Preisseite mit 7,90 Euro je Benutzer und Monat, ohne Steuern (Stand 14. Oktober 2026).
Mit fünf Nutzern beginnt Odoo als eine Datenbank mit einer Firma und einem Lagerhaus. Bei zweihundert Nutzern tragen dieselben Bausteine weiter, aber ihre Anzahl und die Umgebung darum wachsen mit: Rechte, Firmen, Standorte und die Maschine, auf der Odoo läuft. Die folgende Einteilung zeigt, was je Stufe zu prüfen ist; die Zahlen sind Beispielwerte, die Mechanismen stehen in der Dokumentation 20.0.
Worauf es beim Wachsen ankommt
Vier Größen wachsen unabhängig voneinander: die Zahl der Benutzerkonten, die Zahl der Firmen in derselben Datenbank, die Zahl der Lagerhäuser und die Umgebung, in der Odoo läuft. Ein Denkfehler dabei ist, sie alle an einer einzigen Zahl aufzuhängen.
Drei Benutzerbegriffe sind getrennt zu halten. Ein zahlender Benutzer ist nach der Preisseite, wer Zugriff auf das Odoo-Backend hat oder ein Mitarbeiterdatensatz ohne verknüpftes Benutzerkonto ist; Kunden und Lieferanten im Portal sind keine zahlenden Benutzer. Ein gleichzeitiger Nutzer ist, wer in derselben Minute arbeitet; nach dieser Zahl wird ein selbst betriebener Server bemessen. Ein Light-Benutzer ist ein Konto mit eingeschränkten Rechten; die Preisseite nennt dafür 7,90 Euro je Benutzer und Monat (Stand 14. Oktober 2026, ohne Steuern, Preise können sich ändern). Wie Sie Konten anlegen und Rollen vergeben, steht in Benutzer und Gruppen anlegen.
Die Wachstumsstufen im Überblick
Die Tabelle ordnet fünf Stufen. Die Benutzerzahlen in der zweiten Spalte sind eine redaktionelle Einteilung für dieses Beispiel; eine offizielle Stufengrenze nennt die geöffnete Dokumentation nicht. Die Mechanismen in den Zellen stehen in der Dokumentation 20.0.
| Stufe | Benutzerkonten | Firmen in der Datenbank | Lagerhäuser | Hosting und Tarif |
|---|---|---|---|---|
| Start | bis 5 | 1 | 1 | Odoo Online, Eine App Gratis oder Standard |
| Ausbau | 6 bis 25 | 1 | 1 bis 2 | Odoo Online, Standard |
| Mehrere Standorte | 25 bis 50 | 1 oder mehrere | mehrere | Odoo Online; eine zweite Firma schaltet im Tarif Standard auf Custom |
| Eigene Module | 50 bis 100 | 1 oder mehrere | mehrere | Odoo.sh oder On-Premise, Tarif Custom |
| Hohe Last | 100 bis 200 | 1 oder mehrere | mehrere | Odoo.sh mit mehreren Workern oder On-Premise |
Die Spalte Benutzerkonten meint Konten im Abonnement, nicht gleichzeitig arbeitende Personen. Warum für die Maschine die zweite Zahl zählt, zeigt das Rechenbeispiel unten. Die Hostingarten stellt die Hosting-Übersicht gegenüber.
Mehrere Firmen und Lagerhäuser
Eine Datenbank kann mehrere Firmen enthalten. Produkte und Kontakte sind dann standardmäßig zwischen den Firmen geteilt; Verkaufsaufträge, Rechnungen und Lieferantenrechnungen gehören dagegen zu einer Firma und erscheinen nur, wenn Sie in dieser Firma angemeldet sind. Ob ein Datensatz geteilt oder firmenspezifisch ist, steuert das Feld Firma im Datensatz. Über den Firmenauswahl-Schalter oben rechts wechseln Sie zwischen den Firmen; welche Firmen ein Benutzer sehen darf, steht im Feld Firmen auf seinem Profil. Lesen und ändern darf nur, wessen Rechte und Datensatzregeln es zulassen (Datensatzregeln in Odoo).
Ein zweites Unternehmen ist eine Tarifentscheidung. Das Aktivieren der Mehrfirmenfunktion in einer Datenbank im Tarif Standard löst laut Dokumentation 20.0 automatisch ein Upsell auf den Tarif Custom aus; für Datenbanken im Tarif Eine App Gratis gilt das ausdrücklich nicht. Bei jährlicher oder mehrjähriger Abrechnung entsteht ein Upsell-Auftrag mit 30 Tagen Frist, bei monatlicher Abrechnung wechselt das Abonnement automatisch mit der nächsten Rechnung. In der Tarifübersicht der Preisseite ist „Mehrere Firmen“ nur beim Tarif Custom als Leistung geführt. Was die Tarife sonst unterscheidet, steht in Odoo-Preise und Pläne.
Lagerhäuser wachsen mit den Standorten. Jede Datenbank hat ein vorkonfiguriertes Lagerhaus; weitere Lagerhäuser legen Sie unter Lager ‣ Konfiguration ‣ Lagerhäuser an. Zentrale Belieferung bilden Sie über das Feld Beliefert von ab: In diesem Modell verlangt die Dokumentation für das Zentrallager und jeden belieferten Standort ein eigenes Lagerhaus, das aus dem Zentrallager bezogen wird (Lager-App im Überblick, Lagerorte einrichten). Beim Wachsen über mehrere Firmen gilt: Odoo legt für zusätzliche Firmen kein Lagerhaus automatisch an; legen Sie die Lagerhäuser jeder Firma selbst an.
Hosting und Servergröße
Über die Hostingart entscheidet der Anpassungsbedarf. Der Tarif Standard läuft nur auf Odoo Online; mit dem Tarif Custom hosten Sie wahlweise auf Odoo Online, auf Odoo.sh oder auf einem eigenen Server. Odoo Online ist laut Dokumentation mit eigenen Modulen und Modulen aus dem Odoo Apps-Store unvereinbar. Sobald ein eigenes Modul nötig wird, wechseln Sie zu Odoo.sh oder zu einer eigenen Installation (Odoo.sh: Leistungen und Grenzen, Odoo On-Premise: Aufwand).
Auf Odoo Online wächst der Speicher bis zu einer Prüfschwelle: Bei mehr als 100 GB Speicherverbrauch je Konto kann Odoo das Konto prüfen (Acceptable Use Policy). Auf Odoo.sh skaliert die Plattform über Datenbank-Worker. Zusätzliche Worker erhöhen die Zahl gleichzeitiger Verbindungen und werden über den Account Manager gebucht; nach der Dokumentation beseitigen mehr Worker allein langsame Vorgänge nicht, deren Ursache dann eher im Code liegt. Die Produktivdatenbank sichert Odoo.sh automatisch; aufbewahrt werden sieben tägliche, vier wöchentliche und drei monatliche Sicherungen (Backup-Strategie).
Ein Rechenbeispiel: 200 Konten, 120 gleichzeitig
Für die Maschinengröße zählt die Zahl der gleichzeitigen Nutzer. Die Dokumentation für die eigene Installation (On-Premise, Abschnitte Worker number calculation und memory size calculation) nennt dafür zwei Faustregeln: Ein Worker trägt rund sechs gleichzeitige Nutzer, und die Zahl der Prozesse liegt bei Prozessorkernen mal zwei plus eins; darin ist der Cron-Worker enthalten, der zusätzlich Prozessorleistung braucht. Für den Arbeitsspeicher rechnet die Seite mit 80 Prozent leichten Anfragen zu je rund 150 MB und 20 Prozent schweren zu je rund 1 GB. Die Werte sind Schätzungen der Dokumentation, keine technische Obergrenze. Die Rechnung gilt für eine eigene Installation; auf Odoo Online und Odoo.sh dimensioniert Odoo die Umgebung selbst, zusätzliche Datenbank-Worker buchen Sie auf Odoo.sh über den Account Manager.
Beispielrechnung mit Annahmen: 200 Benutzerkonten, davon 120 gleichzeitig aktiv, ein Server mit 10 Prozessorkernen.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Worker nach gleichzeitigen Nutzern | 120 ÷ 6 | 20 Worker |
| Prozesse nach der Faustregel | 10 × 2 + 1 | 21 Prozesse |
| Gewählte Konfiguration | 20 Worker plus 1 Cron-Worker | 21 Prozesse |
| Arbeitsspeicher | 21 × (0,8 × 150 MB + 0,2 × 1024 MB) | rund 6,8 GB |
Die Prozessorkerne bestimmen nach der Faustregel die Zahl der Prozesse: 10 Kerne ergeben 21 Prozesse, also 20 HTTP-Worker neben einem Cron-Worker; weniger Kerne ergeben nach derselben Rechnung weniger gleichzeitige Nutzer. Die Dokumentation zeigt dasselbe Vorgehen an einem eigenen Beispiel mit 4 Kernen und 60 gleichzeitigen Nutzern, das 8 HTTP-Worker plus einen Cron-Worker und rund 3 GB Arbeitsspeicher ansetzt; sie empfiehlt, die Auslastung zu messen und die Konfiguration danach anzupassen. Die 120 gleichzeitigen Nutzer sind eine Annahme für dieses Beispiel; messen Sie den echten Wert, bevor Sie Hardware bestellen. Die Einzelpreise der Hostingarten stehen in Hostingkosten vergleichen.
Typische Fehler
- Die Servergröße an den Abo-Konten ausrichten. Für die Maschine ist die Zahl der gleichzeitigen Nutzer maßgeblich.
- Ein eigenes Modul auf Odoo Online planen. Odoo Online ist mit eigenen Modulen und Modulen aus dem Odoo Apps-Store unvereinbar.
- Beim zweiten Unternehmen die Tariffolge übersehen. Im Tarif Standard löst die Mehrfirmenfunktion ein Upsell auf Custom aus.
- Zusätzliche Firmen ohne Lagerhaus anlegen. Odoo erstellt für neue Firmen kein Lagerhaus automatisch.
- Portalnutzer als Lizenzkosten einplanen. Kunden und Lieferanten im Portal sind keine zahlenden Benutzer.
- Mehr Worker als Lösung für langsame Vorgänge buchen. Die Dokumentation nennt langsame Vorgänge bei ausreichender Workerzahl als Code-Thema.
So gehen Sie vor
- Zählen Sie die zahlenden Benutzerkonten, die Portalnutzer getrennt, und schätzen Sie die Spitzenzahl gleichzeitiger Nutzer.
- Prüfen Sie, ob eine zweite Firma, ein eigenes Modul oder eine Serveränderung nötig wird; jedes davon entscheidet über Tarif und Hostingart.
- Legen Sie für Standorte, die Sie aus einem Zentrallager beliefern, je ein eigenes Lagerhaus an und verbinden Sie es über Beliefert von mit dem Zentrallager.
- Dimensionieren Sie die Maschine nach gleichzeitigen Nutzern und messen Sie die Auslastung nach dem Start.
- Rechnen Sie vor der Entscheidung die Gesamtkosten der Hostingarten durch (Gesamtkosten berechnen).