Odoo für die Fertigung: Stücklisten und Arbeitsgänge
Kurz gesagt
Für Lagerfertigung und Auftragsfertigung (Make-to-Stock, Make-to-Order) bringt Odoo 20.0 Stücklisten, Fertigungsaufträge sowie Arbeitsgänge mit Arbeitsplätzen und Arbeitsaufträgen in Community und Enterprise mit; die Unterauftragsvergabe (mrp_subcontracting) liegt im Community-Repository. Unter Fertigung (MRP) nennt der Editionsvergleich nur Werkstatt, Systemsteuerung und Zeitpläne für Enterprise, ebenso Qualität, PLM und Barcode; das Modul für den Produktionszeitplan (MPS) fehlt im Community-Repository (Zweig 20.0). Grenzen liegen damit zuerst in der Edition und dann in der dokumentierten Funktion.
Das Wichtigste
- Stückliste (Bill of Materials) und Fertigungsauftrag sind der Kern und gehören zur App Fertigung (mrp) in Community und Enterprise.
- Arbeitsgänge mit Arbeitsplätzen (Kapazität, Zeiteffizienz) und Arbeitsaufträge gehören im Zweig 20.0 zum Community-Modul mrp; der Editionsvergleich nennt unter Fertigung (MRP) nur Werkstatt, Systemsteuerung und Zeitpläne für Enterprise.
- Qualität, PLM und Barcode sind laut Editionsvergleich Enterprise; Wartung und Unterauftragsvergabe liegen im Community-Repository (Zweig 20.0).
- Der Produktionszeitplan (MPS) fehlt im Community-Repository (Zweig 20.0). Er schlägt Auffüllmengen vor und legt beim Replenishment Trigger Manual keine Aufträge an; bei Automatic plant Odoo einen Auffüllauftrag automatisch ein, und für Produkte im MPS sollen keine Nachbestellregeln gelten.
- Odoo unterscheidet die geschätzten Kosten eines Fertigungsauftrags (MO cost) von den tatsächlichen Kosten (real cost); Abweichungen kommen aus Menge, Dauer und Mitarbeitersatz.
Ob Odoo für eine Fertigung reicht, entscheidet sich an der Stückliste und an der Edition Ihrer Datenbank. Die Dokumentation 20.0 beschreibt den Funktionsumfang der App Fertigung; der Editionsvergleich zeigt, welcher Teil davon in Community und welcher nur in Enterprise verfügbar ist. Für die Auswahl zählt zuerst, wie Ihr Erzeugnis entsteht: auf Lager, nach Kundenauftrag oder bei einem Dritten.
Worauf es ankommt
Die Stückliste (Bill of Materials) ist der Ausgangspunkt. Sie nennt je Erzeugnismenge die Komponenten und, mit der Einstellung Arbeitsaufträge (Work Orders), die Vorgänge mit Arbeitsplatz und Standarddauer. Aus ihr entsteht der Fertigungsauftrag; Odoo bucht beim Abschluss Komponenten aus und Erzeugnisse ein. Arbeitsaufträge führen einzelne Vorgänge an einem Arbeitsplatz; abarbeiten lassen sie sich in der Registerkarte Arbeitsaufträge des Fertigungsauftrags oder im Arbeitsauftragsformular (Fertigung ‣ Vorgänge ‣ Arbeitsaufträge). Die Werkstatt (Shop Floor) als Tablet-Oberfläche nennt der Editionsvergleich nur für Enterprise.
Die Zahl der Lagerbewegungen stellen Sie je Lager ein: Fertigen (1 Schritt), Komponenten kommissionieren, anschließend fertigen (2 Schritte) oder drei Schritte mit Kommissionieren, Fertigen und Einlagern. Menüwege der Dokumentation 20.0: Stücklisten unter Fertigung ‣ Produkte ‣ Stücklisten, Fertigungsaufträge unter Fertigung ‣ Vorgänge ‣ Fertigungsaufträge, Einstellungen unter Fertigung ‣ Konfiguration ‣ Einstellungen und die Schritte am Lager unter Lager ‣ Konfiguration ‣ Lagerhäuser. Die deutschen Beschriftungen folgen der deutschen Übersetzung der Module Fertigung und Lager (Zweig 20.0); je Datenbank kann die Übersetzung abweichen.
Die Fertigungsarten und was dafür dokumentiert ist
Die Tabelle stellt vier Fertigungsarten nebeneinander: drei nach der Auftragsart und eine für die Linienfertigung. Spalte 2 nennt die Einrichtung in Odoo, Spalte 3 die dokumentierten Funktionen, Spalte 4 die Edition nach dem Editionsvergleich und der Modulliste des Community-Repositorys (Zweig 20.0).
| Fertigungsart | Einrichtung | Dokumentierte Funktionen (Dokumentation 20.0) | Edition |
|---|---|---|---|
| Lagerfertigung (Make-to-Stock) | Stückliste, Fertigungsschritte am Lager, Nachbestellregeln mit Minimum und Maximum | Fertigungsaufträge aus Nachbestellregeln, Stapelgröße teilt den Auftrag in mehrere Fertigungsaufträge, Los- und Seriennummern, Produktionszeitplan (MPS) für lange Vorlaufzeiten | Fertigung (MRP) in Community und Enterprise; das MPS-Modul fehlt im Community-Repository (Zweig 20.0) |
| Auftragsfertigung (Make-to-Order) | Route Auffüllung nach Auftrag (MTO) am Produkt, dazu eine Stückliste des Erzeugnisses | Jede Bestätigung eines Verkaufsauftrags erzeugt einen Fertigungsauftrag, verknüpft mit dem Verkaufsauftrag, auch wenn genug Bestand liegt; Auftrag anpassen statt stornieren | Fertigung (MRP) in Community und Enterprise |
| Lohnfertigung (Unterauftragsvergabe) | Stücklistentyp Unterauftragsvergabe mit einem oder mehreren Unterauftragnehmern (Sie vergeben die Fertigung) | Drei Abläufe: ohne Komponentenlieferung, mit Lieferung aus Ihrem Lager, mit Direktlieferung des Einkaufs an den Unterauftragnehmer | Modul mrp_subcontracting im Community-Repository (Zweig 20.0) |
| Linien- und Prozessfertigung | Stückliste mit Vorgängen, Arbeitsplätze mit Kapazität und Zeiteffizienz | Durchgehende Produktion (Teilmengen gehen an den nächsten Vorgang), Nebenprodukte, Gesamtanlageneffektivität (GAE, englisch OEE) je Arbeitsplatz | Fertigung (MRP) in Community und Enterprise; der Editionsvergleich nennt Werkstatt, Systemsteuerung und Zeitpläne nur für Enterprise |
Zur Zeile Lagerfertigung: Der MPS rechnet Auffüllmengen vor. Beim Replenishment Trigger Manual lösen Sie die Auffüllung selbst über die Order-Schaltfläche in der Zeile Replenishment aus; beim Auslöser Automatic plant Odoo einen Auffüllauftrag automatisch ein. Zur Zeile Auftragsfertigung: Der erzeugte Fertigungsauftrag ist auf den Verkaufsauftrag zugeschnitten; wird er storniert, entsteht kein Ersatz, und die Verknüpfung zum Verkaufsauftrag geht verloren. Zur Zeile Lohnfertigung: In der einfachen Unterauftragsvergabe beschafft der Unterauftragnehmer die Komponenten selbst, deshalb steht in dieser Stückliste keine Komponente; wenn Sie die Teile beistellen oder von Ihrem Lieferanten direkt liefern lassen, brauchen Sie eine der beiden Lieferrouten. Die Dokumentation beschreibt in allen drei Abläufen Ihr Unternehmen als Auftraggeber, der die Fertigung an einen Unterauftragnehmer vergibt. Zur Zeile Linienfertigung: Die durchgehende Produktion müssen Sie je Stückliste einschalten, und die Gesamtanlageneffektivität setzt Arbeitsplätze mit Arbeitszeiten voraus.
Ein Rechenbeispiel für Dauer und Kosten
Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen. Ihr Erzeugnis läuft in einem Vorgang über einen Arbeitsplatz. Die Stückliste nennt für ein Stück eine Standarddauer (Manuelle Dauer) von 30 Minuten, die Berechnung der Dauer (Duration Computation) steht auf der Vorgabe Fest. Der Arbeitsplatz hat die Kapazität 1 und eine Zeiteffizienz von 50 Prozent.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Grunddauer für 100 Stück | 30 Minuten × 100 Stück ÷ Kapazität 1 | 3.000 Minuten, also 50 Stunden |
| mit Zeiteffizienz 50 Prozent | 50 Stunden × 2 | 100 Stunden |
| Dauer bei 40 Stunden je Woche | 100 Stunden ÷ 40 Stunden | rund 2,5 Wochen |
Die Kosten trennt Odoo in die geschätzten Kosten des Fertigungsauftrags (MO cost) und die tatsächlichen Kosten (real cost). Für den Mitarbeiteranteil gilt: Die Schätzung rechnet mit dem Kostensatz per employee am Arbeitsplatz, die tatsächlichen Kosten mit dem Stundensatz aus der App Mitarbeitende. Beispielrechnung: 40 Euro je Stunde geschätzt gegen 46 Euro je Stunde tatsächlich ergeben auf 100 Stunden 600 Euro Unterschied. Beide Werte stehen in der Übersicht am Fertigungsauftrag; nach dem Abschluss gleicht Odoo die Schätzung an die tatsächlichen Kosten an. Weitere Posten der Kalkulation behandelt Fertigungskosten in Odoo.
Wo die Grenzen liegen
- Edition verwechselt. Qualität, PLM und Barcode führt der Editionsvergleich nur für Enterprise, ebenso unter Fertigung (MRP) die Unterpunkte Werkstatt, Systemsteuerung und Zeitpläne. Arbeitsgänge, Arbeitsplätze und Arbeitsaufträge gehören dagegen zum Community-Modul mrp; im Community-Repository (Zweig 20.0) fehlen die Module für Qualität, PLM und den Produktionszeitplan (MPS). Klären Sie im Angebot, welche Apps Ihre Datenbank enthält, bevor Sie einen Ablauf darauf aufbauen. Den Unterschied erklärt Odoo Community oder Enterprise.
- Arbeitsgänge ohne Arbeitsplätze geplant. Die Registerkarte Vorgänge einer Stückliste erscheint erst mit der Einstellung Arbeitsaufträge; ohne gepflegte Arbeitsplätze gibt es keine Kapazität, keine Zeiteffizienz und keine Gesamtanlageneffektivität.
- Vorgangsfolge nicht hinterlegt. Ohne die Abhängigkeit „Blockiert durch“ plant Odoo Vorgänge unabhängig voneinander; in den Planungsfiltern Late, Conflicts und Planning Issues finden Sie danach verspätet geplante und gleichzeitig eingeplante Arbeitsaufträge, die Sie von Hand neu planen.
- Rückverfolgung erwartet, ohne sie einzuschalten. Los- und Seriennummern sind je Produkt zu aktivieren; erst dann verlangt Odoo vor dem Abschluss des Fertigungsauftrags eine Nummer, und die Rückverfolgung über die Stückliste wird möglich.
- Schätzung für die tatsächlichen Kosten gehalten. Die geschätzten Kosten (MO cost) stammen aus der Stückliste und dem Mitarbeitersatz am Arbeitsplatz; erst die Rückmeldung von Menge und Zeit erzeugt die tatsächlichen Kosten (real cost).
So prüfen Sie die Eignung
- Schreiben Sie Ihre Erzeugnisse als Stücklisten mit Komponenten und Mengen auf; markieren Sie, wo Unterbaugruppen mit eigener Stückliste entstehen. Der Aufbau steht in Stücklisten in Odoo.
- Listen Sie je Erzeugnis die Arbeitsgänge mit Arbeitsplatz, Standarddauer und Reihenfolge auf. Mehr als ein Arbeitsplatz je Erzeugnis bedeutet Arbeitsaufträge; Arbeitsgänge, Arbeitsplätze und Arbeitsaufträge enthält die App Fertigung in beiden Editionen, die Werkstatt am Tablet nennt der Editionsvergleich nur für Enterprise.
- Legen Sie je Produkt die Fertigungsart fest: Nachbestellregeln für Lagerware, Auffüllung nach Auftrag für die Auftragsfertigung, Stücklistentyp Unterauftragsvergabe für die Lohnfertigung.
- Prüfen Sie die Funktionen Ihrer Edition gegen Ihre Liste: Qualität mit Kontrollpunkten, PLM, Werkstatt, Systemsteuerung, Zeitpläne und Barcode gehören laut Editionsvergleich zu Enterprise; Wartung ist in beiden Editionen verfügbar.
- Bauen Sie ein Erzeugnis in einer Testkopie vollständig ab und führen Sie einen Fertigungsauftrag bis zum Produzieren; prüfen Sie danach die Übersicht mit geschätzten und tatsächlichen Kosten (MO cost, real cost). Wie Sie Anforderungen vorher sammeln, zeigt der Fit-Gap-Workshop.
- Messwerte und Maschinenanbindung klären Sie getrennt: Die App IoT ist laut Editionsvergleich Enterprise; was sie im Arbeitsgang leistet, beschreibt IoT in der Fertigung.