Odoo oder Branchensoftware: Auswahlkriterien
Kurz gesagt
Ob ein Allround-ERP wie Odoo oder eine Branchensoftware passt, klären Sie mit vier Kriterien ohne Gewichtung: Branchentiefe, Update-Zyklus, Ausstieg und Erweiterungsaufwand. Odoo dokumentiert alle vier in Version 20.0 offen, von den Industrieseiten bis zur Upgrade-Pflicht auf Odoo Online. Vom Hersteller der Branchensoftware fordern Sie dieselben vier Antworten schriftlich, mit Versionsnummer und Datum.
Das Wichtigste
- Die vier Kriterien lauten Branchentiefe, Update-Zyklus, Ausstieg und Erweiterungsaufwand; die Liste setzt keine Gewichtung, das Gewicht legt Ihr Betrieb je Kriterium selbst fest.
- Die Seite All industries listet bei Odoo Industrieseiten je Gewerbezweig; die Lokalisierungen für Deutschland, Österreich und die Schweiz nennt die Dokumentation 20.0 unter Fiscal localizations (beide Seiten am 14. Oktober 2026 geöffnet).
- Odoo 20.0 erschien im September 2026; der Standard-Support einer Hauptversion dauert drei Jahre, für Version 20.0 ist das Ende September 2029 geplant.
- Auf Odoo Online ist das Upgrade alle zwei Jahre je Hauptversion Pflicht; auf einem eigenen Server bleibt die Datenbank ohne Frist auf einer Version.
- Odoo Online ist mit eigenen Modulen und Modulen aus dem Apps-Store unvereinbar; Anpassungen dort laufen über Odoo Studio und lösen einen Wechsel in den Tarif Custom aus.
- Beim Hersteller der Branchensoftware fordern Sie alle vier Antworten schriftlich, mit Versionsnummer und Datum, und lassen Sonderfälle mit Ihren Beispieldaten zeigen.
Wer nach Software für sein Gewerbe sucht, stößt auf zwei Produkttypen: Branchensoftware für einen Gewerbezweig und ein Allround-ERP für viele Aufgaben in einem System. Diese Seite ordnet die Auswahlkriterien. Zu jedem Kriterium steht, was Odoo in seiner Dokumentation 20.0 selbst beschreibt und was Sie beim Hersteller der Branchensoftware erfragen.
Worum es bei der Auswahl geht
Branchensoftware ist Software, deren Funktionen für die Abläufe eines einzelnen Gewerbezweigs gebaut sind, etwa für Hotels, Praxen oder das Bauhandwerk. Ein Allround-ERP bündelt dagegen Verkauf, Einkauf, Lager, Fertigung und Buchhaltung in einer Datenbank. Odoo ist ein Beispiel für diesen Typ: Die Preisseite nennt alle Apps von Website über Kassensystem bis Buchhaltung in den Tarifen Standard und Custom; der Tarif Eine App Gratis enthält eine einzige App samt der mit ihr verknüpften Apps.
Odoo bietet für einzelne Gewerbezweige zusätzlich Industrieseiten an. Die Seite All industries listet vom Einzelhandel über Hotellerie bis zu Kanzleien; die Seite für die Klimatechnik nennt als Beispiele Einsatzplanung für Techniker, Geräte-Rückverfolgbarkeit mit Seriennummern und wiederkehrende Wartung. Solche Seiten sind Produktpräsentation des Herstellers, keine Funktionszusage für Ihren Betrieb.
Dieser Artikel nennt keine konkrete Branchensoftware und bewertet kein einzelnes Produkt. Er liefert je Kriterium die Prüfung auf der Odoo-Seite und die Frage für das Gespräch mit dem Hersteller der Alternative. Zwischen Allround-ERP und Branchensoftware liegt der Sonderfall Individualsoftware; dazu passt Odoo im Vergleich zur Individualsoftware.
Diese Kriterien zählen
Die Liste ist gewichtungsfrei: Es gibt kein Punkteverfahren und keine Rangfolge. Welches Kriterium in Ihrer Situation wiegt, legen Sie selbst fest; die Tabelle sagt Ihnen, wie Sie jedes Kriterium prüfen.
| Kriterium | Warum es zählt | Prüfung bei Odoo | Prüfung beim Hersteller der Branchensoftware |
|---|---|---|---|
| Branchentiefe | Ein nicht abgebildeter Sonderfall erzwingt Insellösungen und Doppelerfassung | Industrieseite und Lokalisierung im Fit-Gap gegen Ihre Vorgänge prüfen | Den Sonderfall schriftlich benennen und mit Ihren Beispieldaten im Testlauf zeigen lassen |
| Update-Zyklus | Jede neue Version berührt Anpassungen und Schnittstellen | Support-Dauer je Hauptversion und Upgrade-Pflicht des Hostings aus der Dokumentation entnehmen | Update-Rhythmus, Update-Kosten und Zwangsaktualisierung schriftlich geben lassen, mit Versionsnummer und Datum |
| Ausstieg | Der Wechsel ist eine Datenfrage: Exportformate und Datenzugriff entscheiden | Datensatzexport und Backup-Download prüfen; Hosting-Modell bestimmt den Zugriff auf die Datenbank | Exportformate, Datenübergabe und die Kosten der Datenübernahme erfragen |
| Erweiterungsaufwand | Jeder Versionswechsel verlangt, dass der Quellcode eigener Module für die Zielversion vorliegt und geprüft wird; die Entwicklerdokumentation zählt Studio-Anpassungen nicht zu diesen Modulen | Studio, Apps-Store- und OCA-Module oder eigene Module; Tarif- und Hosting-Grenzen beachten | Klären, wer Erweiterungen baut, über welche Schnittstelle, und wer sie über Updates pflegt |
Was Odoo zu den vier Kriterien dokumentiert
Zur Branchentiefe: Die Lokalisierungen für Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen in der Dokumentation 20.0 unter Fiscal localizations. Die Seite warnt, dass jedes Paket Feinjustierung verlangt, vom Kontenrahmen bis zu länderspezifischen Erklärungen, und dass ein Wechsel des Pakets nur möglich ist, solange noch keine Buchung erfasst wurde. Ob die auf der Industrieseite gezeigten Funktionen Ihren Sonderfall tragen, prüft der Fit-Gap-Workshop gegen Ihre eigenen Vorgänge.
Zum Update-Zyklus: Version 20.0 erschien im September 2026. Der Standard-Support einer Hauptversion dauert drei Jahre; für Odoo 20.0 ist das Ende September 2029 geplant. Danach gibt es Extended Support nur auf Odoo.sh und On-Premise gegen zusätzliche Gebühr, nicht auf Odoo Online. Auf Odoo Online ist das Upgrade Pflicht: bei einer Datenbank auf einer Hauptversion alle zwei Jahre, bei einer Zwischenversion wenige Wochen nach dem Erscheinen der nächsten Version; auf einem eigenen Server bleibt die Datenbank ohne Frist (Faktdateien odoo-standard-support-dauer und odoo-online-upgrade-pflicht). Den Ablauf eines Versionswechsels beschreibt der Artikel Odoo-Upgrade: Ablauf, die Fristen die Seite Support-Dauer und Upgrade-Rhythmus.
Zum Ausstieg: Die Dokumentation 20.0 beschreibt unter Export and import data den Export einzelner Datensätze samt Vorlagen. Der Datenbankmanager von Odoo Online bietet laut derselben Dokumentation den Download eines Backups. Wie weit Ihr Zugriff darüber hinaus reicht, hängt vom Hosting-Modell ab: Der Tarif Standard läuft nur auf Odoo Online, Custom auch auf Odoo.sh und On-Premise, wo Sie die Datenbank selbst betreiben. Die Optionen ordnet die Seite Hosting-Optionen im Überblick, den Ausstieg die Anleitung Datenexport und Ausstieg.
Zum Erweiterungsaufwand: Ohne Code passen Sie mit Odoo Studio an; die Studio-Seite der Dokumentation 20.0 hält fest, dass die Installation von Studio im Tarif Standard automatisch einen Wechsel in den Tarif Custom auslöst. Eigene Module und Module aus dem Apps-Store sind auf Odoo Online unvereinbar (Seite Odoo Online, 20.0). Eigene Module müssen für die Zielversion laufend gehalten werden: Laut Entwicklerdokumentation lässt sich eine Datenbank mit eigenen Modulen erst upgraden, wenn deren Quellcode für die Zielversion vorliegt (Faktdatei odoo-upgrade-eigene-module-voraussetzung). Wo die Grenze zwischen Standard und Anpassung läuft, behandelt der Artikel Standard oder Anpassung, die Modulprüfung die Prüfkriterien für Fremdmodule.
Was Sie vom Hersteller der Branchensoftware verlangen
Fordern Sie zu jedem der vier Kriterien eine Antwort auf einem Angebotsblatt, mit Versionsnummer und Datum des Statements. Nur mit Versionsnummer und Datum lässt sich eine Zusage später der gelieferten Version zuordnen. Lassen Sie sich den behaupteten Branchensonderfall nicht beschreiben, sondern mit Ihren Beispieldaten im Testlauf zeigen, und lassen Sie die Datenübergabe an ein fremdes Format demonstrieren. Für Update-Zyklus und Erweiterungen verlangen Sie die Beträge: Was kostet ein Update, wer baut Erweiterungen, und auf welcher Schnittstelle. Die so gesammelten Angaben tragen Sie neben die Odoo-Dokumentation; die Anforderungen dazu sammelt die Anleitung Anforderungen sammeln.
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Auf beiden Seiten besteht die Rechnung aus denselben Posten: laufende Lizenz oder Abonnement, Hosting, Einführung, Anpassungen samt deren Pflege über Updates, Schnittstellen und der eigene Betriebsaufwand. Erst alle Posten zusammen lassen die Varianten vergleichbar werden; eine Gesamtsumme rechnet Gesamtkosten von Odoo berechnen durch.
Die Odoo-Preisseite nennt am 14. Oktober 2026 für den Tarif Standard 19,90 Euro je Benutzer und Monat im ersten Jahr und 24,90 Euro zum Listenpreis, für Custom 35,90 und 44,90 Euro, jeweils bei jährlicher Abrechnung und ohne Steuern; der niedrigere Satz ist ein auf zwölf Monate begrenzter Erstjahresrabatt. Standard läuft nur auf Odoo Online; Studio, mehrere Firmen und die externe API führt die Tarifübersicht derselben Seite nur unter Custom (Faktdatei odoo-preis-standard-custom-benutzer; Preise können sich ändern). Ausnahme nennt die FAQ derselben Seite für den Gratis-Tarif: Eine App Gratis erlaubt ausdrücklich eine Mehrfirmenumgebung und Studio als die gewählte Gratis-App; wer dort weitere Apps selbst installiert, wechselt in den Tarif Standard, und Studio in einer Datenbank mit weiteren Apps oder eine zweite Firma in derselben Datenbank löst laut Tarifbeschreibung den Wechsel auf Custom aus (Faktdatei odoo-tarif-eine-app-gratis). Light-Benutzer nennt die Seite mit 7,90 Euro im Satz der monatlichen Abrechnung; die Lizenz dafür vergibt Odoo über einen Beratungstermin. Für die Branchensoftware macht dieser Artikel keine Betragsangabe: Erfragen Sie Grundpaket, Preis je Benutzer oder Arbeitsplatz, Updategebühr und den Preis je Erweiterungsstufe, und tragen Sie die Antworten in dieselbe Rechnung. Die Tarifunterschiede von Odoo erklärt die Seite Odoo-Preise im Überblick.
Warnsignale in Angebot und Vertrag
- Die Branchenzusage bleibt allgemein und nennt weder Funktionen noch einen Testlauf mit Ihren Daten.
- Update-Rhythmus oder Updategebühr fehlen im Angebot; bei Odoo bremst umgekehrt jedes eigene Modul ohne Zielversion das Upgrade.
- Zugesagte Funktionen nennen weder Edition noch Tarif: Studio, mehrere Firmen und die externe API listet die Tarifübersicht nur unter Custom, und eigene Module laufen nicht auf Odoo Online.
- Die Datenübergabe wird nur “nach Absprache” zugesagt; eine Demonstration des Exports in ein fremdes Format fehlt.
- Erweiterungen kann allein der Hersteller bauen, und die Preisstufen dafür stehen nicht im Angebot.
Welche Kriterien für welchen Betrieb
Die Zuordnung ist eine redaktionelle Einschätzung, keine Empfehlung eines Produkttyps.
| Situation | Was am stärksten wiegt |
|---|---|
| Ein Sonderfall trägt den Tagesbetrieb | Branchentiefe: Fit-Gap gegen Ihre Vorgänge, dann Testlauf beim Hersteller |
| Standardisierte Abläufe ohne Besonderheiten | Update-Zyklus und Erweiterungsaufwand statt der Branchenfrage |
| Mehrere Firmen oder Standorte geplant | Tarifgrenzen prüfen: die Tarifübersicht führt mehrere Firmen und die externe API nur unter Custom; im Gratis-Tarif gilt die Ausnahme in der FAQ der Preisseite |
| Ausstieg oder Wechsel mittelfristig geplant | Ausstieg: Exportformate und Backup-Download vom ersten Tag an prüfen |
| Eigene IT-Entwicklung vorhanden | Erweiterungsaufwand: eigene Module möglich, Pflege über Releases einplanen |
So vergleichen Sie in fünf Schritten
- Sammeln Sie die Anforderungen je Vorgang, einschließlich der Sonderfälle, die Ihr Tagesgeschäft tragen (Anforderungen sammeln).
- Spielen Sie die Liste im Fit-Gap-Workshop gegen die Odoo-Industrieseite und die Lokalisierung Ihres Landes durch; notieren Sie, was fehlt.
- Stellen Sie dem Hersteller der Branchensoftware die vier Fragen aus der Tabelle und lassen Sie jede Antwort mit Versionsnummer und Datum auf dem Angebotsblatt festhalten, samt Testlauf mit Ihren Daten.
- Rechnen Sie fünf Jahre für beide Varianten mit denselben Annahmen (Gesamtkosten von Odoo berechnen) und planen Sie die Datenübernahme aus dem Bestandssystem ein (Datenübernahme aus dem Altsystem); den Wechsel von einer Shopsoftware beschreibt Wechsel von der Shopsoftware.
- Legen Sie Ihr Gewicht je Kriterium schriftlich fest und dokumentieren Sie, welche Antworten der Hersteller geliefert hat und welche offen blieben; die Entscheidung zwischen Standard und Anpassung trifft die Anleitung Standard oder Anpassung.